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Pferde und Reiterin wieder fit bekommen: Mein Weg zurück in den Sattel

11 minutes ago
9 min read

Fast zwei Jahre lang war mein Stallalltag alles andere als der Alltag, den ich vorher gewohnt war. Ich bin zum zweiten Mal Mutter geworden und mein Fokus lag danach erst einmal eindeutig auf meinem Baby und generell auf meiner Familie. Pferde verschwinden deshalb natürlich nicht aus dem Leben – aber Training, feste Routinen und die eigene Fitness bekommen plötzlich einen ganz anderen Stellenwert. Jetzt sind wir mitten in der Krippeneingewöhnung und langsam zeichnet sich etwas ab, das ich eine ganze Weile kaum hatte: ein planbarer Alltag. Und damit kommt für mich auch die Frage zurück, wie ich mit meinem Pferd wieder richtig ins Training einsteige.

Dabei ist mir eines ziemlich schnell klar geworden:

Nicht nur mein Pferd muss wieder fit werden. Ich auch.

Reiten ist für mich Teamsport. Und ich finde, genau dieser Gedanke kommt beim Thema „Pferd wieder antrainieren“ manchmal viel zu kurz. Wir sprechen über Kondition, Muskelaufbau, Trainingspläne und Regeneration des Pferdes – während wir selbst nach Monaten oder sogar Jahren Pause wieder in den Sattel steigen und erwarten, dass das schon irgendwie funktioniert. Ein fittes Pferd ist aber nicht dafür da, einen unfitten Reiter durch die Gegend zu tragen. Wenn ich von meinem Pferd Kraft, Ausdauer, Balance und Koordination erwarte, muss ich mir dieselben Fragen auch selbst stellen.


Nach langer Pause wieder reiten: Wo stehen wir eigentlich?

Mein erster Schritt zurück ins Training ist deshalb kein ausgeklügelter Wochenplan. Es ist eine ehrliche Bestandsaufnahme. Wo steht mein Pferd körperlich? Wo stehe ich? Und was bedeutet „fit“ für uns überhaupt? Denn eine Trainingspause ist nicht gleich eine Trainingspause. Ein Pferd, das mehrere Monate nicht geritten wurde, sich aber täglich viele Stunden auf Weide oder Paddock bewegt hat, startet an einem anderen Punkt als ein Pferd nach verletzungsbedingter Pause. Alter, Haltung, Gesundheitszustand, Gewicht und bisheriger Trainingszustand spielen genauso eine Rolle. Nach Verletzungen oder Erkrankungen gehört der Wiedereinstieg selbstverständlich mit Tierarzt und gegebenenfalls Physio abgestimmt.

Und dann bin da eben noch ich. Schwangerschaft, Geburt und das erste Jahr mit Baby waren schließlich auch für meinen Körper keine Trainingspause wie ein längerer Urlaub. Mein Körper hat ziemlich Beeindruckendes geleistet und sich verändert. Deshalb möchte ich nicht einfach dort weitermachen, wo ich vor meiner Schwangerschaft aufgehört habe. Ich möchte herausfinden, wo ich jetzt stehe.

Das ist für mich eigentlich die wichtigste Grundlage für jeden Trainingsplan: Nicht trainieren, wo man gerne wäre, sondern dort anfangen, wo man gerade ist.


Reiten ist Teamsport – also müssen wir beide trainieren

Mein Ziel ist nicht, meine Pferde möglichst schnell wieder fit zu bekommen, damit ich wieder „richtig“ reiten kann. Wir sollen gemeinsam fit werden. Denn wenn meine Pferde nach einigen Wochen wieder problemlos eine Stunde arbeiten können, ich aber nach 30 Minuten müde werde, meine Körperspannung verliere, anfange zu klemmen oder meine Hilfen unpräzise werden, haben wir als Team nichts gewonnen. Andersherum bringt es genauso wenig, wenn ich körperlich topfit bin und meine Pferde muskulär noch gar nicht in der Lage ist, die gewünschte Arbeit zu leisten. Das schwächere Teammitglied bestimmt deshalb das Tempo. Und manchmal werde das vermutlich ich sein.

Gerade beim Wiedereinstieg möchte ich stärker darauf achten, wie viel Einfluss meine eigene Fitness auf mein Pferd hat. Ein ausbalancierter Reiter kann Bewegungen besser begleiten. Ein stabiler Rumpf hilft mir, unabhängig zu sitzen. Beweglichkeit in Hüfte und Becken macht es leichter, der Bewegung zu folgen, statt dagegenzuarbeiten. Und eine vernünftige Grundlagenausdauer sorgt dafür, dass ich auch am Ende einer Trainingseinheit noch bewusst reite. Reiterfitness ist für mich deshalb kein Extra zum Pferdetraining. Sie ist ein Teil davon.


Was muss mein Pferd nach einer Trainingspause wieder aufbauen?

Wenn ein Pferd länger nicht trainiert wurde, geht es um wesentlich mehr als Kondition. Das Herz-Kreislauf-System muss sich wieder an regelmäßige Belastung gewöhnen, Muskulatur muss aufgebaut werden und auch Sehnen, Bänder, Gelenke und andere Strukturen brauchen Zeit, um sich an zunehmende Belastungen anzupassen. Gleichzeitig müssen Balance, Koordination und Tragfähigkeit wieder entwickelt werden. Genau deshalb möchte ich nicht den Fehler machen, zu schnell zu viel zu wollen. Nur weil sich mein Pferd nach zwei Wochen frisch anfühlt und gerne vorwärtsgeht, bedeutet das nicht automatisch, dass sein Körper bereits für deutlich mehr Belastung bereit ist. Mein Grundprinzip für den Trainingsaufbau lautet deshalb: erst Regelmäßigkeit, dann Dauer, dann Intensität. Nicht alles gleichzeitig.


Kondition beim Pferd aufbauen: Schritt ist Training

Gerade am Anfang möchte ich viel Schritt einplanen. Und zwar nicht als die fünf oder zehn Minuten, die man irgendwie hinter sich bringt, bevor „das eigentliche Training“ anfängt. Aktiver Schritt ist Training.

Längere Spaziergänge, Schrittrunden im Gelände, große Linien auf dem Platz, unterschiedliche Untergründe und – wenn die Basis dafür vorhanden ist – leichte Steigungen oder einzelne Stangen lassen sich wunderbar nutzen. Gleichzeitig kann ich diese Zeit auch für meine eigene Fitness nutzen. Warum jeden Spaziergang auf dem Pferd sitzen, wenn ich daneben genauso Kilometer sammeln kann?

Danach möchte ich Trab zunächst über Intervalle aufbauen. Einige Minuten Schritt, eine kurze Trabphase, wieder Schritt, erneut Trab. Mit zunehmender Fitness werden die Belastungsphasen länger und die Erholungsphasen kürzer. Galopp und intensivere Arbeit kommen dazu, wenn die Grundlage dafür wirklich vorhanden ist. Dabei interessiert mich zunehmend nicht nur, was mein Pferd schafft, sondern wie es die Belastung verarbeitet. Wie ist die Atmung? Wie schnell erholt es sich? Wie fühlt es sich gegen Ende der Einheit an? Und mindestens genauso wichtig: Wie läuft es am nächsten Tag?


Muskelaufbau beim Pferd braucht Zeit

Ein Thema, das mich beim Wiedereinstieg besonders beschäftigt, ist der Muskelaufbau. Denn ein Pferd kann durchaus genügend Kondition haben, um lange vorwärtszulaufen, und trotzdem noch nicht die Kraft besitzen, sich mit Reiter über längere Zeit gut zu tragen. Deshalb möchte ich Ausdauer und Kraft bewusst getrennt betrachten. Für den Muskelaufbau können später beispielsweise Übergänge, abwechslungsreiches Gelände, leichte Steigungen, Stangenarbeit und passende gymnastizierende Übungen hinzukommen. Welche Übungen sinnvoll sind, hängt natürlich vom jeweiligen Pferd ab.

Mir ist dabei vor allem wichtig, nicht einfach möglichst viele Übungen abzuhaken. Mein Pferd soll Kraft entwickeln, seinen Körper sinnvoll einzusetzen und mich als Reiter stabil tragen zu können.

Und genau an diesem Punkt schließt sich wieder der Kreis zu meiner eigenen Fitness: Ich kann von meinem Pferd keine bessere Balance verlangen, während ich selbst völlig unkontrolliert oben drauf sitze.


Mein eigener Trainingsplan als Reiter

Mein Trainingsplan besteht deshalb zukünftig aus zwei Teilen: Pferdetraining und Reitertraining. Natürlich bekomme ich Bewegung beim Reiten und bei der Stallarbeit, das bleibt im eigenen Reitstall nicht aus. Trotzdem möchte ich meine eigene Fitness gezielter trainieren. Dazu gehören für mich vor allem Kraft, Kondition, Mobilität und Balance.

Für die Kondition muss es kein kompliziertes Sportprogramm sein. Zügiges Gehen, Joggen, Radfahren oder andere Ausdauereinheiten können völlig ausreichen. Tatsächlich ist meine Kondition aktuell gar nicht so schlecht, denn durch die Kinder und die Stallarbeit bin ich so oder so viel auf den Beinen und lebe grundsätzlich ein eher aktives Leben. Beim Krafttraining möchte ich besonders Rumpf, Rücken, Beine und Gesäß berücksichtigen. Dazu kommt Mobilität, insbesondere rund um Hüfte, Becken und Brustwirbelsäule - denn wenn ich ehrlich bin: daran hat es bei mir schon immer gehapert und ich habe es immer irgendwie vertuscht.

Und ich möchte realistisch bleiben. Mein Alltag besteht weiterhin aus Kindern, Arbeit, Haushalt, Stall und allem, was sonst noch dazwischenkommt. Ein Trainingsplan, für den ich fünf zusätzliche Stunden pro Woche brauche, wird wahrscheinlich grandios aussehen und ungefähr zwei Wochen funktionieren.

Lieber plane ich zwei oder drei kurze Einheiten ein, die tatsächlich stattfinden. Konstanz schlägt Perfektion. Das muss ich lernen, denn ich neige dazu, alles perfekt machen zu wollen und dann enttäuscht zu sein, wenn ich es nicht hinbekomme.


Große Ziele sind schön – kleine Meilensteine sind besser

Natürlich habe ich eine Vorstellung davon, wo wir wieder hinmöchten. Aber „wieder richtig fit sein“ ist kein besonders hilfreiches Trainingsziel. Deshalb möchte ich mir ein großes Ziel setzen und daraus kleine, messbare Meilensteine ableiten. Das große Ziel könnte beispielsweise sein, wieder problemlos einen längeren Ausritt mit verschiedenen Gangarten machen zu können und danach sowohl ein zufriedenes Pferd als auch einen funktionierenden Menschen nach Hause zu bringen.

Auf dem Weg dahin können kleine Ziele ganz anders aussehen: 45 Minuten aktiver Schritt fühlen sich für beide locker an. Die ersten Trabintervalle funktionieren entspannt. Eine Stunde abwechslungsreiche Arbeit ist kein Kraftakt mehr. Längere Trabphasen werden leichter. Die ersten Galoppe fühlen sich kontrolliert an. Eine bestimmte Geländerunde ist irgendwann nicht mehr „Training“, sondern einfach eine entspannte Runde. Solche Meilensteine finde ich viel motivierender, weil Fortschritt sichtbar wird.

Und Fortschritt muss nicht immer bedeuten, dass wir mehr schaffen. Wenn dieselbe Strecke nach vier Wochen deutlich leichter fällt, die Erholungszeit kürzer wird oder mein Pferd eine Übung mit mehr Balance absolvieren kann, ist das genauso Fortschritt.


Deshalb möchte ich Training dokumentieren

Ich werde unseren Wiedereinstieg deshalb möglichst simpel dokumentieren. Kein kompliziertes Excel-Monster, das nach drei Tagen niemand mehr pflegt, sondern Daten, mit denen ich tatsächlich etwas anfangen kann. Wie lange haben wir trainiert? Was haben wir gemacht? Wie hoch war die Belastung? Wie hat sich mein Pferd dabei angefühlt? Wie schnell hat es sich erholt? Wie war es am nächsten Tag? Und wie ging es eigentlich mir? Gerade der letzte Punkt gehört für mich unbedingt dazu.

Wenn ich nach 40 Minuten merke, dass meine Körperspannung weg ist, muss mein Pferd nicht noch weitere 20 Minuten meine schlechter werdende Balance kompensieren, nur weil im Trainingsplan „60 Minuten“ steht. Auch sollte ich dann eine Alternative für die anderen Pferde haben, damit nicht das folgende Pferd unter meiner Schwäche leidet.


Fütterung beim Antrainieren: Erst wissen, was drin ist

Natürlich gehört auch die Fütterung zum Trainingsaufbau. Gleichzeitig möchte ich gerade hier nicht in die typische Falle geraten: Pferd arbeitet wieder mehr, also braucht es automatisch mehr Kraftfutter.

Bevor ich etwas ergänze, möchte ich wissen, was mein Pferd überhaupt bekommt und was ihm möglicherweise fehlt. Dazu gehören für mich die tatsächliche Raufuttermenge, eine möglichst gute Einschätzung des Körpergewichts und des Body Condition Scores und eine Heuanalyse.

Denn erst wenn ich weiß, was über das Grundfutter bereits geliefert wird, kann ich sinnvoll beurteilen, was ergänzt werden muss.

Mit zunehmendem Training verändern sich Bedarf und Fütterung möglicherweise. Energie, Proteinversorgung, Mineralstoffe und bei stärkerem Schwitzen auch Wasser- und Elektrolythaushalt spielen eine Rolle. Aber mehr ist nicht automatisch besser.

Auch beim Thema Muskelaufbau möchte ich mich nicht von jedem Sack überzeugen lassen, auf dem „Muscle“ steht. Muskeln entstehen durch einen passenden Trainingsreiz, ausreichende Nährstoff- und Energieversorgung und Regeneration. Fehlt das Training, baut kein Pulver der Welt die gewünschte Oberlinie.


Regeneration gehört in den Trainingsplan

Ein Punkt, den ich früher wahrscheinlich selbst unterschätzt habe: Pause ist Bestandteil des Trainings.

Der Körper braucht Zeit, um auf einen Trainingsreiz zu reagieren. Das gilt für mein Pferd genauso wie für mich. Deshalb möchte ich bewusst zwischen stärkeren und leichteren Tagen wechseln und Ruhetage beziehungsweise aktive Regeneration einplanen.

Regeneration bedeutet beim Pferd natürlich nicht zwangsläufig, 24 Stunden herumzustehen. Freie Bewegung, Weide oder Paddock, ein Spaziergang oder eine sehr lockere Einheit können – je nach Pferd und Situation – genau richtig sein. Da kommt mir natürlich unsere Haltung entgegen: meine Pferde stehen Tag und Nacht in Robusthaltung, sprich sie sind draußen, an der frischen Luft und haben viel freie Fläche, um sich in ihrer Herde zu bewegen.

Auch hier möchte ich weniger nach Kalender und mehr nach Gefühl und Entwicklung trainieren. Wenn mein Pferd nach einer Einheit ungewöhnlich müde oder steif ist, wird nicht trainiert, nur weil Dienstag ist. Und wenn ich selbst völlig erledigt bin, ergibt eine anspruchsvolle Reiteinheit ebenfalls wenig Sinn.


Wie mein Trainingsplan für Pferd und Reiter aussehen soll

Ich möchte unseren Aufbau in grobe Phasen unterteilen, ohne daraus einen starren Wochenplan zu machen.

Am Anfang stehen Regelmäßigkeit und viel ruhige Bewegung. Danach kommt zunehmend Grundlagenausdauer über Trabintervalle hinzu. Mit besserer Basis werden Kraft, Koordination und Tragfähigkeit wichtiger. Erst anschließend möchte ich wieder spezifischer auf unsere eigentlichen reiterlichen Ziele hinarbeiten.

Parallel baue ich meine eigene Ausdauer und Kraft auf.

Eine Trainingswoche könnte später zum Beispiel aus einer gymnastizierenden Reiteinheit, einer Geländeeinheit mit Intervallen, einem längeren ruhigen Ausritt, ein bis zwei lockeren Bewegungstagen und ausreichend Regeneration bestehen. Für mich kommen zwei kurze Kraft- beziehungsweise Stabilitätseinheiten und ein bis zwei Ausdauereinheiten hinzu – wobei sich manches wunderbar kombinieren lässt. Ein längerer flotter Spaziergang mit Pferd ist schließlich Training für uns beide.

Wichtig ist mir dabei: Das ist unser Plan, kein allgemeingültiger Trainingsplan für jedes Pferd. Wie schnell ein Pferd nach einer längeren Pause wieder antrainiert werden kann, hängt enorm von Ausgangszustand, Alter, Haltung, Vorgeschichte und Gesundheit ab.


Ich möchte nicht zurück zu „vorher“

Vielleicht ist das für mich sogar die größte Erkenntnis bei diesem Neustart.

Ich möchte gar nicht unbedingt dort weitermachen, wo ich vor meiner Schwangerschaft aufgehört habe.

In meinem Leben hat sich ziemlich viel verändert. Mein Körper hat sich verändert. Mein Alltag hat sich verändert. Meine Zeit hat einen anderen Wert bekommen und wahrscheinlich hat sich auch mein Blick aufs Training verändert.

Deshalb möchte ich nicht versuchen, möglichst schnell unseren alten Trainingsstand wiederherzustellen. Ich möchte eine neue Grundlage schaffen. Denn am Ende sind wir ein Team. Wenn ich von meinem Pferd Kondition, Muskulatur, Kraft, Balance und Beweglichkeit erwarte, muss ich bereit sein, ebenfalls daran zu arbeiten. Ein fittes Pferd sollte nicht die fehlende Fitness seines Reiters kompensieren müssen.

Vielleicht dauert unser Weg "zurück" deshalb etwas länger. Das ist okay.

Mein Ziel ist nicht, möglichst schnell wieder viel zu können. Mein Ziel ist, dass wir irgendwann alle an einem Punkt stehen, an dem sich unsere Arbeit wieder leicht anfühlt. Dass meine Pferde mich körperlich gut tragen können und ich wiederum fit genug bin, ihm dabei nicht im Weg zu sein.

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