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Diese Pflanzen stehen auf meiner Liste für unsere naturnahe Pferdehaltung

2 days ago
13 min read

Je mehr ich mich damit beschäftige, wie unser Pferdebereich in ein paar Jahren aussehen soll, desto klarer wird mir: Ich möchte nicht einfach nur ein paar Bäume und Sträucher pflanzen, damit es irgendwann „grün“ aussieht. Ich möchte Pflanzen, die wirklich Teil des Lebensraums werden. Sie sollen Schatten geben, Wind brechen, Insekten Nahrung bieten, Vögeln Schutz geben, teilweise irgendwann von den Pferden beknabbert werden dürfen und gleichzeitig mit den Bedingungen klarkommen, die uns in den nächsten Jahren wahrscheinlich häufiger beschäftigen werden: trockene Sommer, Hitze, Starkregen, wechselnde Bodenfeuchte.

Ich bin dabei ausdrücklich keine Botanikerin und auch keine Landschaftsplanerin. Das hier ist also kein „So müsst ihr es machen“-Guide. Es ist vielmehr meine persönliche Pflanzenliste mit Arten, die ich für unseren Pferdebereich spannend finde und mit denen ich mich aktuell näher beschäftige. Was mir dabei wichtig ist: Meine Pferde stehen 24/7 draußen. Die Pflanzen stehen also nicht irgendwo in einem hübschen Vorgarten neben dem Stall, sondern mitten in oder direkt an einem tatsächlich genutzten Pferdebereich. Deshalb möchte ich keine Pflanzen etablieren, die als giftig für Pferde gelten – selbst dann nicht, wenn sie eigentlich gar nicht als Futterpflanzen gedacht sind. Ein Ast kann abbrechen, etwas wächst durch den Zaun oder ein Pferd kommt irgendwann doch an eine Stelle, an die es ursprünglich nicht sollte. Wenn ich heute neu pflanze, möchte ich dieses Risiko so gut es geht vermeiden. Gleichzeitig möchte ich nicht nur für die Pferde pflanzen. Ich möchte das ganze Gelände möglichst ökologisch wertvoller machen. Also nicht nur Schatten und Struktur, sondern auch Blüten, Beeren, Samenstände, Totholz, unterschiedliche Vegetationshöhen und möglichst lange Blühzeiten. Im besten Fall passiert über das ganze Jahr hinweg irgendwo etwas.


Bäume, die ich spannend finde

Sal-Weide

Die Sal-Weide ist für mich ziemlich weit oben auf der Liste. Vor allem deshalb, weil sie sehr früh im Jahr blüht und damit gerade für Wildbienen und Hummeln unglaublich wertvoll sein kann, wenn sonst noch gar nicht so viel blüht. Gleichzeitig finde ich sie für den Pferdebereich spannend, weil Weiden schnittverträglich sind und nach einem Rückschnitt wieder gut austreiben können. Ich kann mir gut vorstellen, später gezielt einzelne Zweige für die Pferde zugänglich zu machen und andere Bereiche wieder regenerieren zu lassen.

Der Nachteil: Weiden möchten nicht auf dem trockensten, heißesten Stück stehen. Deshalb würde ich sie eher dort einplanen, wo der Boden zumindest etwas Wasser halten kann. Für mich ist sie also weniger der klassische „Klimabaum für Hitze“, dafür aber ökologisch unglaublich wertvoll und als strukturgebendes Gehölz sehr interessant.


Purpur-Weide

Die Purpur-Weide interessiert mich aus ähnlichen Gründen. Sie bleibt etwas strauchartiger und könnte deshalb besonders spannend für Hecken oder breitere Gehölzstrukturen sein. Auch hier sehe ich wieder diesen Gedanken von Nutzung und Regeneration: wachsen lassen, einzelne Bereiche zugänglich machen, wieder schützen, neu austreiben lassen. Genau dieses dynamische System finde ich eigentlich viel spannender, als Pflanzen nur einmal zu setzen und dann möglichst nie wieder anzufassen.


Birke

Birken mag ich optisch sowieso sehr gern. Gleichzeitig finde ich sie spannend, weil sie auf relativ armen Böden zurechtkommen und schnell Struktur schaffen. Was ich aber inzwischen dazugelernt habe: anspruchslos bedeutet nicht automatisch trockenheitsresistent. Die Birke ist zwar nicht besonders wählerisch, was Nährstoffe angeht, aber längere Trockenphasen machen ihr durchaus zu schaffen. Deshalb würde ich sie heute nicht automatisch auf den trockensten Platz pflanzen, nur weil sie als unkompliziert gilt. Für mich ist sie eher ein Baum für Bereiche, die nicht komplett austrocknen und wo trotzdem ein leichter, luftiger Baum gut hinpassen würde.


Winter-Linde

Die Linde wäre für mich vor allem als zukünftiger Schattenspender interessant.

Ich liebe große, alte Linden und die Vorstellung, irgendwann tatsächlich Bereiche unter einem richtig großen Baum zu haben, finde ich wunderschön. Gleichzeitig sind Linden durch ihre Blüte ökologisch sehr interessant. Aber auch hier ist das Thema Trockenheit nicht zu unterschätzen. Ich würde einer Linde wirklich Platz geben wollen – nicht nur über der Erde, sondern vor allem auch darunter. Genug Wurzelraum und ein Standort, an dem Wasser überhaupt in den Boden kommt, wären mir wichtig.

Das ist für mich kein Baum, den man „irgendwo noch schnell dazwischenquetscht“.


Hainbuche

Die Hainbuche finde ich besonders spannend, weil sie so vielseitig ist. Sie kann als Baum wachsen, als Hecke gezogen werden, geschnitten werden und wieder austreiben. Genau das passt gut zu meiner Vorstellung von lebendigen Strukturen, die sich mit der Zeit verändern dürfen. Ich könnte sie mir sowohl als Teil einer breiteren Hecke als auch in Bereichen vorstellen, in denen später einzelne Zweige für die Pferde erreichbar sind. Aktuell haben wir sogar mehrere Heckenbereiche und mit einer Hecke habe ich auch schon das System "Abfressen, absperren, wieder wachsen lassen" ausprobiert und die Hecke hat es super weggesteckt und wächst perfekt nach. Sie ist allerdings auch nicht völlig unbeeindruckt von langen Trockenphasen. Für mich wäre sie deshalb eher Teil einer Mischung und nicht die einzige Art, auf die ich setze.


Zitterpappel

Die Zitterpappel ist so ein Baum, den ich früher wahrscheinlich nicht sofort auf dem Schirm gehabt hätte.

Sie wächst relativ schnell, ist eine typische Pionierart und bringt dadurch schneller Höhe und Struktur in eine Fläche. Ökologisch ist sie außerdem ziemlich wertvoll. Was man allerdings wissen muss: Sie kann sich über Wurzelausläufer ziemlich selbstbewusst ausbreiten. Ich würde sie deshalb nur dort pflanzen, wo genau das kein Problem ist.


Flatter-Ulme

Ulmen stehen inzwischen ebenfalls auf meiner Liste. Ich mag den Gedanken, nicht nur die klassischen „jeder hat dieselben fünf Bäume“-Arten zu pflanzen, sondern bewusst auch andere heimische Gehölze mitzudenken. Die Flatter-Ulme kann groß werden und braucht entsprechend Platz. Für kleinere Pflanzinseln wäre sie also nichts, aber auf großzügigeren Flächen könnte ich sie mir gut vorstellen.

Bei Ulmen möchte ich mich allerdings noch genauer mit Standort, Sorten und Krankheitsanfälligkeit beschäftigen, bevor ich wirklich pflanze.


Blumen-Esche

Die Blumen-Esche finde ich vor allem wegen des Klimathemas spannend. Sie kommt ursprünglich aus wärmeren Regionen Europas und gilt als deutlich hitze- und trockenheitsverträglicher als viele klassische heimische Gehölze. Genau solche Arten möchte ich nicht flächendeckend pflanzen, aber gezielt in die Mischung einbauen. Mir gefällt der Gedanke, nicht dogmatisch nur „heimisch oder nichts“ zu denken, sondern heimische Arten klar zu bevorzugen und sie dort zu ergänzen, wo andere Gehölze mit den zukünftigen Bedingungen vielleicht besser zurechtkommen.


Maulbeerbaum

Der Maulbeerbaum ist für mich ebenfalls so ein Kandidat, der aus Klimasicht spannend sein könnte.

Er mag Wärme, kommt mit Trockenheit vergleichsweise gut zurecht und ist sehr schnittverträglich. Seine Früchte müsste man natürlich mitdenken. Einen Baum, der große Mengen Fallobst direkt auf einen Futterplatz wirft, würde ich nicht dort pflanzen. An der richtigen Stelle könnte ich ihn mir aber sehr gut vorstellen. Wir haben bereits Kirschen, Mirabellen und Pflaumenarten im Pferdebereich - manche Pferde interessiert das Fallobst nicht, andere knabbern hier und da mal ein bisschen Obst, wieder andere sind nicht zu bremsen. Das muss man im Blick behalten, vor allem dann, wenn eine Herde so unterschiedlich auf Obst reagiert. Deswegen würde ich erstmal keine weiteren Obstbäume frei zugänglich im Pferdebereich etablieren, ohne die Früchte gezielter ernten oder eben auch runterfallen zu lassen, damit andere Tiere daraus einen Vorteil ziehen können.


Wildbirne

Die Wildbirne gefällt mir, weil sie mehrere Dinge miteinander verbindet: heimisch, Blüte, Früchte, Struktur und eine gewisse Toleranz gegenüber wärmeren und trockeneren Bedingungen. Ich würde sie allerdings so setzen, dass Fallobst nicht zum Dauerbuffet wird - wie eben auch beim Maulbeerbaum.


Sträucher und Heckenpflanzen, die ich gern einsetzen würde

Hasel

Hasel gehört für mich ganz klar in die Heckenplanung - wir haben bereits unfassbar viele Haseln und ich möchte dennoch hier und da noch weiter ergänzen. Sie blüht sehr früh, wächst relativ kräftig, verträgt Rückschnitt und kann immer wieder neu austreiben. Genau deshalb könnte ich sie mir auch als eine Pflanze vorstellen, die langfristig gezielt beknabbert werden darf. Dazu kommen die Nüsse für Wildtiere.


Kornelkirsche

Die Kornelkirsche finde ich großartig, weil sie extrem früh blüht. Gerade wenn man versucht, über möglichst viele Monate im Jahr etwas für Insekten zu bieten, sind solche Frühblüher unglaublich wichtig.

Später kommen die roten Früchte dazu und gleichzeitig gilt sie als recht robust und vergleichsweise trockenheitsverträglich.


Weißdorn

Weißdorn ist ökologisch unglaublich wertvoll. Blüten, Früchte, dichter Wuchs und Schutz für Vögel – eigentlich bringt er alles mit. Der Nachteil ist offensichtlich: die Dornen. Ich würde ihn deshalb nicht an jede Stelle setzen, sondern eher in breitere Heckenbereiche, in denen Pferde nicht direkt hineingedrängt werden können. Wir haben relativ viel Weißdorn und er säht sich auch ganz toll selbst aus - allerdings nicht dort, wo ich ihn gerne hätte und ausgraben und umsiedeln war bislang leider ohne Erfolg.


Hundsrose

Auch Wildrosen möchte ich unbedingt integrieren, zwei Sträucher haben wir bereits. Die Hundsrose bringt Blüten, Hagebutten und eine dichte Struktur mit und kommt vergleichsweise gut mit trockeneren Bedingungen zurecht. Auch hier sind die Stacheln natürlich ein Punkt. Deshalb würde ich sie eher in breite Randzonen und nicht direkt an enge Laufwege setzen.


Dünenrose

Die Dünenrose finde ich für besonders trockene und magere Bereiche interessant. Sie bleibt niedriger als manche andere Wildrose und kommt mit schwierigen Standorten ziemlich gut zurecht. Allerdings bildet sie Ausläufer und ist ebenfalls stachelig. Das wäre also eher eine Pflanze für Bereiche, in denen sie sich tatsächlich ausbreiten darf. Aktuell habe ich davon drei Stück auf eine recht zentrale Pflanzinsel gepflanzt.


Brombeere

Bei Brombeeren habe ich schon immer meinen Frieden damit gemacht, dass „wild“ nicht automatisch „weg damit“ bedeutet - ich weiß, dass mich auf Social Media gefühlt jeder davor warnt, bloß keine Brombeeren zu pflanzen. Natürlich können Brombeeren unglaublich nervig werden und Wege komplett übernehmen. Gleichzeitig sind sie ökologisch wahnsinnig wertvoll. Blüten, Früchte, Deckung, Schutz – da passiert ziemlich viel. Ich würde sie deshalb nicht überall pflanzen, aber dort, wo sie sinnvoll stehen, beispielsweise an breiteren Randzonen oder in Verbindung mit Totholzhecken, dürfen sie bei mir gern Teil des Systems sein. Aktuell ist geplant, dass sie eine ca 18m lange Totholzhecke besiedeln dürfen, um dort zum Einen unseren kleinen Wald zu schützen, damit die Pferde nicht von jeder Seite an alle Bäume rankommen, zum Anderen, damit wir dort eine lebende Hecke haben, die auf verschiedenen Ebenen wertvoll für die Natur und die Pferdehaltung ist.


Himbeere

Himbeeren finde ich vor allem für etwas frischere oder halbschattige Bereiche schön. Sie sind weniger wehrhaft als Brombeeren, bringen trotzdem Blüten und Früchte mit und ergänzen dadurch die Strauchschicht. Für richtig heiße, trockene Südlagen wären sie für mich allerdings keine erste Wahl.


Rote Johannisbeere

Johannisbeeren sehe ich nicht unbedingt als klassische Pferdehecke, aber als ergänzende Sträucher in geschützteren Bereichen. Ich mag den Gedanken, unterschiedliche Höhen und Strukturen zu schaffen und nicht nur aus klassischen Heckenpflanzen zu denken. Gerade in etwas frischeren Bereichen könnten Johannisbeeren gut passen.


Schwarze Johannisbeere

Bei der Schwarzen Johannisbeere ist es ähnlich. Sie braucht tendenziell etwas mehr Bodenfeuchtigkeit und wäre deshalb für mich eher etwas für Bereiche, die ohnehin nicht so stark austrocknen. Das finde ich übrigens wichtig: Nicht alles muss maximal trockenheitsresistent sein. Wenn ein Teil meines Geländes natürlicherweise frischer bleibt, dann möchte ich dort Pflanzen setzen, die genau das mögen. Beispielsweise im unteren Bereich des Ganzjahresbereichs ist es gerne mal etwas feuchter, dort sammelt sich auch gerne Regen, wenn viel Wasser runter gekommen ist. Dort überlege ich auch gerade, ein Ausgleichsbecken anzulegen, dieses aber eben zu kombinieren mit Pflanzen, die Feuchtigkeit benötigen und gleichzeitig Feuchtigkeit auch etwas ausgleichen können.


Sanddorn

Sanddorn kommt auf meine Liste für die ganz anderen Standorte. Trocken, sonnig, windig, eher mager – dort fühlt er sich wohl. Seine Früchte sind interessant für Vögel und er ist wirklich robust. Dafür bringt er Dornen mit und bildet Ausläufer. Also auch hier: richtige Pflanze am richtigen Ort.


Blumen und Wildstauden, die ich gern etablieren würde

Bei Blumen denke ich vor allem an Randbereiche, Säume, geschützte Flächen zwischen Gehölzen und Bereiche, die nicht permanent von den Pferden niedergetreten werden. Mir ist wichtig, möglichst viel mit heimischen Wildpflanzen zu arbeiten. Nicht weil jede nicht-heimische Pflanze schlecht wäre, sondern weil heimische Insekten oft eng mit bestimmten heimischen Pflanzen verbunden sind. Dazu muss man sagen, dass ich eine artenreiche Wiese habe, die von der Landwirtschaftskammer sogar gefördert wird ("Artenreiches Grünland"). Das heißt ich habe auch in dem Pferdebereich Blumen etabliert, diese sind allerdings vor allem für die Pferde von Vorteil, weil diese eben gefressen werden und die Pferde so keine Monokultur essen. Deswegen ist es mir unfassbar wichtig, auch Bereiche für Blumen und Wildstauden zu schaffen, die nicht nur den Pferden, sondern eben auch der Umwelt dienen.


Wiesen-Margerite

Die Wiesen-Margerite gehört für mich einfach in eine naturnahe Wiese. Sie braucht eher magere Bedingungen und verschwindet schnell, wenn alles permanent kurz gehalten und stark gedüngt wird.

Genau deshalb ist sie für mich auch ein kleiner Hinweis darauf, wie Flächen gemanagt werden.


Kornblume

Kornblumen möchte ich vor allem auf sonnigen, offenen Flächen ausprobieren. Sie bringen lange Blüte und Farbe mit, brauchen aber immer wieder offene Bodenstellen, um sich gut auszusäen.


Acker-Witwenblume

Die Acker-Witwenblume finde ich wunderschön und ökologisch ist sie sehr interessant. Sie passt gut in sonnige, eher magere Wiesen und wird von vielen Insekten besucht.


Tauben-Skabiose

Die Tauben-Skabiose ist ebenfalls eher etwas für trockene, magere Standorte. Für mich ist sie genau so eine Pflanze, die auf Flächen spannend wird, auf denen üppige Gartenstauden gar nicht unbedingt gut funktionieren würden.


Rundblättrige Glockenblume

Glockenblumen finde ich vor allem wegen ihrer Bedeutung für spezialisierte Wildbienen spannend: nicht nur viele Blüten, sondern möglichst unterschiedliche ökologische Beziehungen.


Bisam-Malve

Die Bisam-Malve gefällt mir optisch sehr und passt gut in sonnige, eher trockene Bereiche.


Wilde Malve

Auch die Wilde Malve steht auf meiner Liste. Bei solchen Pflanzen möchte ich allerdings immer genau auf den botanischen Namen achten. Nur weil eine Gattung allgemein harmlos klingt, heißt das nicht automatisch, dass jede Art gleich bewertet wird.


Wildes Stiefmütterchen

Ich möchte ausdrücklich auch niedrige Arten mitdenken. Nicht alles muss hoch wachsen, um ökologisch wertvoll zu sein. Das Wilde Stiefmütterchen würde ich deshalb gern in eher offenen, mageren Bereichen ausprobieren.


Ringelblume

Die Ringelblume ist keine klassische heimische Wildblume, aber unkompliziert und lange blühend.

Ich könnte sie mir gut in eher hofnahen Bereichen vorstellen, wo sowieso stärker gestaltete Flächen entstehen.


Stockrose

Stockrosen würde ich vor allem rund um Gebäude oder an warmen Mauern einsetzen. Sie sind für mich weniger Teil der eigentlichen Wildwiese und eher eine Möglichkeit, auch hofnahe Bereiche blühender zu machen.


Kräuter, die ich gern im Pferdebereich sehen würde

Bei Kräutern möchte ich bewusst nicht sofort in „Heilpflanze“ denken. Nur weil eine Pflanze traditionell medizinisch genutzt wird, heißt das für mich nicht, dass ich sie meinen Pferden therapeutisch verfüttere.


Wiesen-Schafgarbe

Schafgarbe ist für mich fast eine perfekte Wiesenpflanze. Sie ist robust, relativ trockenheitsverträglich und gehört ohnehin in viele natürliche Wiesenbestände.


Wilder Dost

Wilder Dost steht ziemlich weit oben auf meiner Liste. Er liebt Sonne und Wärme und blüht gerade dann, wenn es im Hochsommer schon ziemlich trocken sein kann. Für Insekten ist er sehr anziehend.


Sand-Thymian

Thymian finde ich perfekt für heiße, magere, trockene Bereiche. Er bleibt niedrig und kann dadurch ganz andere Nischen besetzen als hohe Wildstauden.


Echte Kamille

Kamille würde ich gern dort etablieren, wo offene Bodenstellen entstehen. Sie ist für mich eine typische Pflanze für Bereiche, die nicht perfekt „aufgeräumt“ werden.


Spitzwegerich

Spitzwegerich wächst ohnehin vielerorts, aber genau deshalb wird er schnell übersehen. Ich finde ihn für eine artenreiche Pferdeweide oder Kräuterfläche sehr wichtig, weil er robust ist und relativ gut mit Nutzung zurechtkommt.


Löwenzahn

Löwenzahn darf bei mir ausdrücklich stehen. Ich finde es inzwischen fast absurd, wie viel Energie teilweise darauf verwendet wird, ihn aus Flächen zu entfernen, obwohl er gerade im Frühjahr für viele Insekten wichtig ist.


Brennnessel

Brennnesseln brauche ich nicht mitten im Laufweg, aber irgendwo auf dem Gelände sollen sie definitiv ihren Platz haben. Sie sind unter anderem wichtige Raupenfutterpflanzen für verschiedene Schmetterlinge. Für mich ist das ein gutes Beispiel dafür, dass nicht jede Pflanze vom Pferd genutzt werden muss, um im Pferdebereich ökologisch wichtig zu sein. Allerdings kann man Brennesseln sehr gut auch für Pferde nutzen, ich mähe sie immer wieder in manchen Teilen ab und die Pferde fressen dann sehr gerne die getrockneten Stängel, wenn die Brennhaare nicht mehr so pieksen.


Zitronenmelisse

Zitronenmelisse möchte ich eher in etwas frischeren oder halbschattigeren Bereichen ausprobieren. Sie ergänzt dadurch die ganzen trockenheitsliebenden Arten schön.


Minze

Minze finde ich aus ähnlichen Gründen spannend. Sie blüht schön, wird von Insekten besucht und mag frischere Standorte. Ich würde sie aber nur dort pflanzen, wo sie sich ausbreiten darf, denn wenn Minze einen Standort mag, dann bleibt sie selten brav auf ihrem Quadratmeter.


Was mir bei der Pflanzung wichtiger ist als die perfekte Liste

Je mehr ich mich mit dem Thema beschäftige, desto mehr merke ich: Es geht eigentlich gar nicht darum, möglichst viele Pflanzen von einer Liste abzuhaken. Viel wichtiger ist die Frage, wo welche Pflanze steht.

Wo ist es trocken? Wo bleibt der Boden länger feucht? Wo ist Wind? Wo ist Schatten? Wo laufen die Pferde permanent? Wo sollen sie später bewusst knabbern dürfen? Wo können Pflanzen jahrelang geschützt wachsen? Wo darf es wilder werden?

Genau daraus möchte ich die Pflanzung entwickeln. Ich möchte nicht zwanzig verschiedene Arten kaufen und sie gleichmäßig über die Fläche verteilen. Ich möchte kleine Pflanzgemeinschaften schaffen. Vielleicht eine Weide neben Hasel. Darunter Schafgarbe und Glockenblume. Daneben eine Hundsrose. Ein Stück weiter Kornelkirsche. Dazwischen Totholz. Auf einer trockenen Stelle Dost und Thymian. In einer Senke wiederum Arten, die etwas mehr Feuchtigkeit mögen. Das fühlt sich für mich viel natürlicher an.


Verbiss möchte ich bewusst einplanen

Eines meiner Lieblingskonzepte ist inzwischen, Verbiss nicht nur als Problem zu sehen. Natürlich kann ein Pferd einen jungen Strauch in kürzester Zeit komplett zerstören. Das möchte ich nicht schönreden. Aber etablierte, geeignete Gehölze können mit moderatem Verbiss durchaus umgehen. Manche treiben nach Rückschnitt oder Verbiss wieder neu aus und verzweigen sich stärker. Genau dieses Prinzip möchte ich nutzen. Junge Gehölze werden geschützt. Später werden vielleicht einzelne Seiten zugänglich. Danach wird wieder geschlossen und die Pflanzen bekommen Zeit zur Regeneration. Ich finde den Gedanken unglaublich spannend, Gehölze nicht nur als Kulisse zu sehen, sondern tatsächlich als Teil des Pferdelebensraums.


Nicht alles muss von den Pferden erreichbar sein

Genauso wichtig ist mir aber das Gegenteil. Nur weil eine Pflanze im Pferdebereich wächst, muss sie nicht automatisch für die Pferde erreichbar sein. Manche Bereiche möchte ich bewusst für Insekten und Vögel reservieren. Manche Pflanzen sollen blühen und Samen bilden dürfen, ohne vorher aufgefressen zu werden. Einige Gehölze werden vermutlich dauerhaft hinter einem zweiten Zaun stehen. Auch das gehört für mich zu einer naturnahen Pferdehaltung. Die Pferde sind Teil des Systems, aber nicht die einzigen Bewohner.


Wie ich über das ganze Jahr hinweg etwas bieten möchte

Ich möchte bei der Pflanzung bewusst auf unterschiedliche Blüh- und Fruchtzeiten achten. Im sehr frühen Frühjahr sollen Hasel, Weiden und Kornelkirsche starten. Danach kommen weitere blühende Gehölze. Im Frühsommer Wildrosen, Malven und Wiesenblumen. Im Hochsommer Dost, Thymian, Witwenblume und Skabiose. Später folgen Hagebutten, Beeren, Nüsse und Samenstände. Und im Herbst soll eben nicht alles verschwinden. Trockene Stängel, Samenstände und verblühte Stauden dürfen über den Winter stehen bleiben, wenn sie keine Gefahr darstellen. Für mich ist genau das ein Teil dieses Umdenkens - hauptsächlich bei anderen Menschen, die einen oft als nachlässig verurteilen, weil es nicht aussieht, wie auf einem Golfplatz. Eine Fläche ist nicht automatisch ungepflegt, nur weil sie im November nicht komplett zurückgeschnitten wurde. Vielleicht erfüllt sie gerade dann Funktionen, die ich im ersten Moment gar nicht sehe.


Was ich bewusst nicht pflanzen möchte

Je mehr ich recherchiere, desto deutlicher wird mir auch, dass „ökologisch wertvoll“ allein kein ausreichendes Kriterium ist. Es gibt Pflanzen, die aus Naturschutzsicht unglaublich interessant sind und die ich trotzdem nicht neu in einen frei zugänglichen Pferdebereich setzen würde. Eibe gehört für mich ganz klar dazu. Robinie ebenfalls. Auch bei Eichen würde ich, wenn ich heute neu plane und die Wahl habe, lieber auf andere Arten setzen. Wir haben außerdem sehr viele Eichen bei uns. Bislang haben wir kein Pech gehabt mit Pferden, die zu viele Eicheln fressen oder auch mit den Prozessionsspinnern. Diese Bäume sind aber so alt und so etabliert, dass ich sie eben akzeptiere - den Bestand weiter ausbauen möchte ich aber keinesfalls. Wenn ich neu pflanze, möchte ich möglichst von Anfang an pferdesicher planen.


Am Ende möchte ich keinen bepflanzten Paddock

Das ist vielleicht der wichtigste Gedanke hinter all diesen Pflanzen. Ich möchte nicht einfach eine Pferdefläche haben, auf der zufällig auch ein paar Bäume stehen und das Ganze dann Paddocktrail nennen. Ich möchte einen Lebensraum. Große Bäume für Schatten. Sträucher für Struktur. Hecken als Windschutz und Rückzugsort. Pflanzen, die die Pferde irgendwann beknabbern dürfen. Andere Bereiche, die nur Insekten und Vögeln gehören. Wildblumen, Kräuter, Totholz, unterschiedliche Bodenstrukturen und Stellen, die sich im Laufe der Jahre von selbst verändern. Ich gehe davon aus, dass nicht alles funktionieren wird. Manche Pflanzen werden vielleicht eingehen - wie zum Beispiel bisher jeder von mir gepflanzte Weißdorn, den ich innerhalb des Reitstalls umsiedeln wollte. Manche werden an ihrem Standort nicht glücklich. Irgendwo werde ich mich verschätzen und wahrscheinlich wird mindestens ein Strauch wesentlich schneller aufgefressen, als ich es geplant hatte. Aber genau das gehört vermutlich einfach dazu.

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