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Warum ich mich bewusst gegen einen großen Unterstand entschieden habe


Wenn man anfängt, einen Offenstall oder Aktivstall zu planen, stößt man irgendwann zwangsläufig auf das Thema Unterstände. Und ehrlich gesagt hätte ich nie gedacht, wie viele Gedanken man sich über so etwas scheinbar Einfaches machen kann. Denn am Ende geht es eben nicht nur darum, irgendwo ein Dach hinzustellen, damit die Pferde trocken stehen können. Für mich sind Unterstände viel mehr als das.

Ich habe in den letzten Wochen unglaublich viele Varianten durchgespielt, mit Herstellern gesprochen, Maße verglichen, Preise gerechnet und natürlich auch wieder jede Menge mit KI gearbeitet, einfach weil man damit verschiedene Ideen unglaublich schnell visualisieren kann. Die Bilder, die ihr hier seht, sind deshalb keine fertigen Baupläne, sondern Entwürfe, die mir geholfen haben, meine Gedanken zu sortieren. Genau dafür nutze ich KI mittlerweile unglaublich gerne. Mein ursprünglicher Gedanke war tatsächlich, einfach einen großen Unterstand zu bauen. Das machen schließlich viele Ställe so. Je länger ich mich aber mit dem Verhalten von Pferden beschäftigt habe und je mehr ich versucht habe, mich wirklich in eine Herde hineinzuversetzen, desto weniger sinnvoll erschien mir diese Lösung.

Unterstände im Außenbereich – was ist rechtlich zu beachten?


Baurecht:Unterstände für Pferde sind im Außenbereich grundsätzlich bauliche Anlagen und unterliegen dem öffentlichen Baurecht. Ob und in welchem Umfang sie zulässig sind, hängt unter anderem von der Landesbauordnung, dem Baugesetzbuch (BauGB), der Größe des Bauwerks sowie der Einstufung des Betriebs ab. Landwirtschaftlich privilegierte Betriebe können unter bestimmten Voraussetzungen erleichterte Genehmigungsmöglichkeiten haben. Unabhängig davon empfiehlt sich eine frühzeitige Abstimmung mit Bauamt und – je nach Lage – auch mit Naturschutz- oder Landschaftsschutzbehörden.


Tierschutz:Die Anforderungen an Pferdeunterstände ergeben sich aus dem Tierschutzgesetz (§ 2 TierSchG) sowie den Leitlinien zur Beurteilung von Pferdehaltungen unter Tierschutzgesichtspunkten des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL). Unterstände müssen ausreichend Schutz vor Witterung bieten und so dimensioniert sein, dass alle Pferde gleichzeitig Schutz finden können, ohne dass rangniedrige Tiere verdrängt werden. Ausreichend Platz, mehrere Fluchtmöglichkeiten sowie eine trockene, trittsichere Liegefläche tragen wesentlich zu einer tierschutzgerechten Gestaltung bei.

Eine Herde besteht schließlich nicht aus fünfzehn Pferden, die alle dieselben Bedürfnisse haben. Da gibt es ranghohe Pferde, rangniedrige Pferde, ältere Pferde, junge Pferde, ruhige Charaktere und welche, die ständig spielen möchten. Warum also sollte ein einziger großer Raum für alle automatisch die beste Lösung sein? Genau deshalb gefällt mir die Idee mit drei einzelnen Unterständen inzwischen deutlich besser. Nicht, weil sie schöner aussieht – obwohl ich finde, dass sie das tatsächlich auch tut – sondern weil sie den Pferden Wahlmöglichkeiten gibt. Sie können selbst entscheiden, wo sie stehen möchten, mit wem sie zusammen sein wollen und ob sie lieber etwas ruhiger oder mitten im Geschehen stehen möchten. Gleichzeitig bleibt die Herde als Ganzes zusammen. Das war mir besonders wichtig. Ich wollte auf keinen Fall Situationen schaffen, in denen sich ein Pferd zwischen seiner Herde und einem geschützten Platz entscheiden muss.



Deshalb gefällt mir diese Anordnung in Form eines kleinen Dreiseitenhofes mittlerweile am besten. Die Pferde können sich frei zwischen den Unterständen bewegen, haben aber trotzdem mehrere geschützte Bereiche, in die sie ausweichen können. Außerdem entstehen dadurch viele Ein- und Ausgänge. Das klingt vielleicht nach einer Kleinigkeit, ist es aber überhaupt nicht. Gerade rangniedrige Pferde profitieren davon enorm, weil sie sich viel leichter aus einer Situation herausnehmen können und nicht in einer Sackgasse stehen.



Auch bei den bestehenden Unterständen habe ich versucht, möglichst viel aus dem Bestand mitzunehmen. Einer der alten Unterstände bleibt erhalten und wird komplett saniert. Das Dach muss neu, der Boden wird neu aufgebaut und die gesamte Front wird verändert. Ursprünglich hatte ich überlegt, sie komplett zu schließen, aber auch das hat sich nach einigem Überlegen wieder verworfen. Stattdessen wird die Front nur halbhoch geschlossen und darüber kommen Windschutznetze. So bleibt der Unterstand luftig, die Pferde können nach draußen schauen und gleichzeitig entsteht trotzdem ein guter Witterungsschutz. Gerade weil diese Seite später auch zum Springplatz zeigt, finde ich diese Lösung deutlich angenehmer als eine große geschlossene Wand.



Was mir bei der gesamten Planung außerdem wichtig ist, sind die Dinge, die man auf den ersten Blick vielleicht gar nicht wahrnimmt. Zwischen und um die Unterstände sollen Paddockplatten verlegt werden, damit dort dauerhaft kein Matsch entsteht. Die Dächer sollen Regenwasser sammeln, das wir später für die Bewässerung der Bepflanzung nutzen können und je nach Dachmaterial möglicherweise auch für die Pferde zum tränken - da habe ich mich allerdings noch nicht umfassend mit auseinandergsetzt. Rund um die Gebäude wird es viele Sträucher, Stauden und Bäume geben, weil ich nicht möchte, dass die Unterstände aussehen, als hätte man sie einfach mitten auf eine Sandfläche gestellt. Sie sollen sich in die Landschaft einfügen und Teil des Gesamtkonzepts werden.


Ich merke bei diesem Projekt immer wieder, dass ich viele Entscheidungen anders treffe, als ich sie früher getroffen hätte. Heute frage ich mich bei jeder einzelnen Entscheidung zuerst: Wie würden die Pferde diesen Ort eigentlich nutzen? Erst danach kommen Kosten, Optik oder Bauweise. Natürlich müssen all diese Dinge am Ende zusammenpassen, aber die Reihenfolge hat sich verändert. Deshalb dauern manche Entscheidungen vielleicht auch länger, als sie müssten. Im Moment laufen noch Gespräche mit dem Bauamt, der Landwirtschaftskammer und der Naturschutzbehörde. Das kostet Zeit, aber ich möchte das Projekt von Anfang an sauber aufbauen und nicht später Dinge wieder ändern müssen. Mir ist wichtig, dass dieser Stall nicht nur heute funktioniert, sondern auch in zehn oder zwanzig Jahren noch.

Und genau deshalb sind Unterstände für mich eben nicht einfach nur Unterstände. Sie sind ein kleines Beispiel dafür, wie ich den gesamten Hof plane: nicht vom Gebäude aus gedacht, sondern vom Pferd aus.

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