Auf Traumpferdsuche in der Thüringeti
Gestern war es so weit: es ging zur wunderschönen Thüringeti zur Agrar GmbH Crawinkel. Für mich war es die dritte "Berührung" mit der Thüringeti. Vor ein paar Jahren hatte ich das Privileg, mit Jessica Süss Lehrvideos zu drehen, die selbst ein hocherfolgreiches Dressurpferd im Sport reitet, welches ursprünglich aus der Thüringeti stammt. Dann steht bei uns ein Pferd im Stall, welches ebenfalls dort geboren und zwei Jahre aufgewachsen ist, bevor er über die Auktion versteigert worden ist. Dies war nun auch der Stein des Anstoßes, weswegen seine Besitzerin und ich uns vor Monaten diesen Tag im Kalender markiert hatten und einen Mädelstag in Crawinkel machen wollten - und ich somit zum dritten Mal mit der Thüringeti in Berührung kommen sollte.
Doch was macht die Pferde aus der Thüringeti eigentlich so besonders? Vermutlich muss ich da etwas weiter vorne anfangen. Denn die Agrar GmbH Crawinkel macht dort in einem unfassbar großen Ausmaß das, was ich im Vergleich dazu in einem winzig kleinen Kosmos ebenso versuche. Die Pferde sollen einen so naturnahes Leben wie möglich haben und die Landschaft so pflegen. Sie stehen ganzjährig draußen und sind dadurch nicht nur artgerecht untergebracht, sondern fördern einen naturschutzgerechte Landbewirtschaftung und Landschaftspflege. Gehölze werden durch die Tiere zwar verbissen, aber dadurch werden sie gleichzeitig zur Regeneration und Verjüngung angeregt, ähnlich, wie wir es bei uns auch beabsichtigen und teilweise schon in die Tat umgesetzt haben. So kann gezielt die Strukturvielfalt gesteuert und auch gefördert werden, was wiederum einen positiven Einfluss auf die Artenvielfalt hat. Die Tiere sind also ganz bewusst Landschaftsgestalter. Pflanzen, die nicht unbedingt zum bevorzugten Essen gehören, werden hier im Winter gefressen, daduch können sich durchsetzungsschwache Arten viel besser behaupten. Auch die Samenverbreitung vieler Pflanzen wird durch die Tiere gefördert, denn so können sich zum Beispiel Kletten oder Labkraut an das Fell der Tiere heften und werden durch diese an einen anderen Ort gebracht und sich dort ansiedeln. Zuletzt kommt auch die Nutzung von Dung, denn durch die ganzjährige Beweidung fällt auf den Wiesen viel Dung an. Das wiederum zieht viele Insekten und deren Fraßfeinde an, sodass die Artenvielfalt immer weiter wächst und im Einkalng mit der Natur und den Jahreszeiten lebt, funktioniert und arbeitet.
Durch die ganzjährige Weidehaltung sind die Pferde aus der Thüringeti unheimlich robust. Es stehen zwar Tierärzte zur Verfügung, jedoch können viele kleinere Verletzungen ganz natürlich ausheilen. Bei uns im Stall steht ein ganz tolles Beispiel für ein Pferd aus diesem zu Hause: robust, gesund, tiefenentspannt und gleichzeitig talentiert und sportlich. Genau das, was man sich eigentlich als Partner Pferd an der Seite wünscht.
Als der Auktionskatalog veröffentlicht wurde, gab es dann neben der Neugier auf diesen außergewöhnlichen Betrieb noch einen weiteren Grund, die fast zweistündige Reise auf uns zu nehmen: Die Katalognummer 76. Ein wunderschönes Stutfohlen, Fuchs, unregelmäßig weiße Beine, Blesse, weißer Fleck am Bauch. Also genau das Pferd, welches mich besonders anspricht. Ich hatte mir ein sehr niedriges Budget festgelegt, denn aktuell steht im Stall noch so viel anderes an Investitonen auf der Liste, dass ich sehr begrenzte Möglichkeiten hatte. Dennoch gab ich direkt ein Gebot ab, als die Stute in den Ring trabte und wurde, wie zu erwarten, überboten. So hat die wunderschöne "Sagenhaft" ein anderes zu Hause bekommen, was ein wenig traurig, aber gleichzeitig auch völlig in Ordnung ist. Es gibt immer noch ein nächstes Jahr und dort werden die Karten neu gemischt - nicht zuletzt, weil bis dahin vermutlich viele Investitionen in den Stall abgeschlossen sind und ich etwas mehr finanzielle Freiheit genieße, als in der aktuell Auf- und Umbauphase.
Für mich war es ein ganz toller Tag - das Fohlen wäre die Kirsche auf der Torte gewesen, allerdings hatten wir einen richtig schönen Mädelstag und haben Einblicke in einen wahnsinnig spannenden Betrieb erhalten. Inspiriert und glücklich ging es dann zurück in die Heimat und ich freue mich auf das kommende Jahr, wo wir tatsächlich direkt mit einem Anhänger anreisen werden.




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