Wenn ReiterInnen sich selbst boykottieren: Unschöne Szenen beim Modernen Fünfkampf


Leider waren beim heutigen Modernen Fünfkampf bei den Olympischen Spielen in Tokio unschöne Szenen zu sehen. / Beispielbild

Die Emotionen kochen aktuell hoch, wenn es um den Reitsport bei den Olympischen Spielen geht. Wir ReiterInnen sind gut darin, unsere Sportart zu verteidigen, scheuen uns aber davor, unsere eigenen MitstreiterInnen in die Mangel zu nehmen. Vermutlich aus Angst, dass solche Nachrichten sich eben auf den ganzen Reitsport auswirken. Aber wenn wir uns nicht dazu äußern, immer solidarisch sind, dann sind wir nicht unbedingt besser als die, die den Reitsport als Ganzes kritisieren. Und sind wir mal ehrlich: Wenn wir als ReitsportlerInnen schlechtes Verhalten nicht missbilligen, billigen wir es. Wer keine Farbe bekennt, unterstützt leider indirekt.


Beim heutigen Fünfkampf in Tokio kam es zu sehr unschönen Szenen. Eine Ungarin schlug und trat ihr Pferd in einem Maßen, dass es ein wahrer Graus war. Alles live auf ARD zu sehen, in voller Länge. Auch die führende Deutsche saß weinend auf dem Pferd, während sie mit einer Hand auf das Pferd einschlug, weil das Pferd den Dienst quittierte und nur noch rückwärts rannte. Daneben schreit die Trainerin nur "vorwärts". Was in dieser Runde zu sehen war, ist absolut nicht sportlich gewesen, vor allem nicht auf den Umgang mit dem Pferd bezogen. Das sind Szenen, die sollte es so im Reitsport nicht geben, diese Bilder sind verheerend.


Wir sind uns alle einig, ohne Fleiß und Training kommt man in keinem Sport voran, aber die Kunst besteht eben darin, sein Pferd für sich zu gewinnen, gemeinsam ein Team zu bilden und dann eben auch zu zweit die Lorbeeren zu ernten. Inwieweit das überhaupt beim Fünfkampf gegeben ist, wo die Pferde ausgelost werden und die ReiterInnen 20 Minuten Zeit haben, um sich auf das Pferd einzustellen, ist an dieser Stelle äußerst fragwürdig. Wie unsere Goldmedaillengewinnerinnen Jessica von Bredow-Werndl und Julia Krajewski eindrucksvoll bewiesen haben, ist es wichtig, eine tiefe Bindung zu den Pferden aufzubauen. Diese kann man in wenigen Minuten selbstredend nicht aufbauen und so beschleicht einen ein wenig das Gefühl, dass die Pferde für den Fünfkampf in dem Fall als Mittel zum Zweck angesehen werden, als spannende Hürde, nicht aber respektvoll als Partner betrachtet werden. Der Umgang der ReiterInnen mit den ihnen zugelosten Pferden bestärkt diesen Verdacht leider.


Natürlich ist es eine sportliche Aufgabe, wenn man gemeinsam mit einem fremden Pferd eine Prüfung absolviert - das ist sowohl vom Pferd, als auch vom Menschen im Sattel eine Leistung, das steht außer Frage, denn wir reden hier von zwei komplett unterschiedlichen Individuen. Jedoch nur, wenn die Runde auch harmonisch ist. "Irgendwie durch" sollte nicht das Motto sein und ist auch nicht das, was man als gutes oder gar schönes Reiten bezeichnet. Das ist auch nicht mit Fairness gegenüber dem Sportpartner Pferd zu vereinbaren. Natürlich kann man auch hier nicht alle über einen Kamm scheren, dennoch hat diese Disziplin in ihrer Grundstruktur eine faden Beigeschmack.


Gerade die Spitzensportler sind Beispiele unseres Sports, die in der Öffentlichkeit stehen. Deswegen eine Bitte an alle, die ihre Länder und eben unseren Sport öffentlich präsentieren: reitet mit Bedacht, mit Fairness und behandelt die Pferde so, wie sie es verdient haben. Trefft sportlichen Entscheidungen, verleiht unserem Sport ein positives Gesicht, denkt weniger an den eigenen Profit und Vorteil. Natürlich, als Profisportler muss der Sport auch wirtschaftlich gesehen werden, doch dass langfristig angesetztes Reiten und die Liebe zum Pferd keine Ausschlusskriterien dafür sind, beweisen mittlerweile genügend Reiter. Und für diejenigen, die sich auf den Pferden einfach nicht zusammenreißen können: Steigt bitte ab. Den Pferden und auch allen anderen zuliebe.