Pferdekauf: Tipps und Tricks

Gekauft habe ich mittlerweile mehrere Pferde, wobei ich bei all meinen erwachsenen Pferden auf die ein oder andere Weise mal mehr, mal weniger über den Tisch gezogen worden bin. Das hat zwar zur Folge gehabt, dass ich das ein oder andere Problem zu bewältigen hatte, jedoch auch gleichermaßen viel gelernt habe und meine Schlüsse ziehen konnte. Für den nächsten Pferdekauf bin ich definitiv gewappnet, auch wenn aktuell natürlich noch nichts in die Richtung geplant ist.

Braune Stute Carlotta Harriet Charlotte Jensen
Der Kauf eines Pferdes muss immer gut überlegt sein: vorab muss man sich über einmalige und laufende Kosten informieren, danach sich der Pferdesuche und den Proberitten widmen. Am Ende steht eine Ankaufsuntersuchung mit hoffentlich gutem Ende. / Foto: Franziska Sack

Vorplanung


Bevor ich mich überhaupt auf die Suche mache, muss ich mich erst einmal ganz realistisch hinsetzen und strukturieren, was ich genau suche, wohin die Reise langfristig gehen soll und auch was mein Budget ist. Beim Budget ist vor allem zu beachten, dass eben nicht nur der Kaufpreis eingerechnet werden muss, sondern noch diverse andere Anschaffungen, wie beispielsweise Sattel, Trense, Gebisse und Decken. Sprich neben dem Kaufpreis sollte immer noch ein ordentliches Budget für den Rest eingeplant werden. Dass man sich als potentieller Pferdekäufer mit den laufenden Kosten auseinandergesetzt hat, davon gehe ich jetzt einfach einmal aus.


Die Suche und das Probereiten


Es gibt verschiedene Möglichkeiten, passende Pferde zu finden. Im Idealfall hat man einen Reitlehrer an der Seite, der einem bei der Suche begleitet und helfen kann, das passende Pferd zu finden. Vielleicht kennt dieser auch durch sein Netzwerk mehrere Leute, die vielleicht nicht offiziell inserierte Pferde anbieten und das passende Pferd im Stall stehen haben. Ansonsten gibt es noch die klassischen Verkaufsportale wie beispielsweise ehorses oder pferde.de, auch auf Ebay-Kleinanzeigen wird man schnell fündig.


Zum Probereiten würde ich immer jemanden mit Ahnung mitnehmen und würde - das ist jedoch meine ganz persönliche Einstellung - darum bitten, das Pferd nicht eingeflochten und vor allem nicht fertig gesattelt aufzufinden. Da ich als Amateur nicht bloß einen Sportpartner suche, sondern eben einen auch Freizeitkumpel, mit dem ich im Alltag auch viel Zeit abseits des Sattels verbringen, beispielsweise beim Gang zur Koppel oder Aufsatteln, sind mir diese Punkte ebenso wichtig, wie das Reiten an sich!


Beim Reiten kann man sich das Pferd vorreiten lassen, doch auch darauf würde ich im Zweifel verzichten, um das Pferd von vorne herein einschätzen zu können, ohne, dass jemand es mir "weich reitet", der die richtigen Knöpfe zu drücken weiß. Schließlich muss ich auch nach dem Kauf in der Lage sein, das Pferd auf meine Weise und mit meinem eigenen Reitlehrer zu reiten. Natürlich ist mir grundsätzlich bewusst, was der Sinn hinter einem Vorreiten ist, jedoch ist es für meine persönlichen Bedürfnisse nicht nötig. Sollten die Besitzer das Pferd partout vorreiten wollen, so ist das zum Einen für mich ein Alarmsignal, gefällt mir das Pferd dennoch richtig gut, würde ich es noch ein zweites Mal ausprobieren und dann darauf bestehen, es komplett alleine aus der Box zu holen, zu satteln, zu reiten und wieder weg zu bringen.


Ein gut gemeinter Rat: ich verstehe, wenn man sich auf eine Optik, ein Geschlecht oder sonst etwas in die Richtung eingeschossen hat, denn am Ende wünscht man sich sein Traumpferd herbei, welches einen im Idealfall recht lange begleiten soll. In einer perfekten Welt finden wir auch all unser Herzenspferd, welches neben allen charakterlichen Eigenschaften auch noch optisch unseren kühnsten Träumen entspricht. In der Realität ist aber das perfekte Pferd für einen nicht der Fuchswallach, sondern eben die Schimmelstute oder der Scheckhengst. Wenn es passt, dann passt es und man verbaut sich doch recht viel, wenn man mit dem Tunnelblick nach dem passenden Pferd sucht. Denn so verpasst man vielleicht die Chance, den passenden Partner für's Leben zu finden, weil er nicht den oberflächlichen Kriterien entspricht.

 

Vor einer ganzen Weile habe ich auf YouTube ein Video zu dem Thema hoch geladen, auch wenn es zu Teilen ein wenig veraltet ist, da die Röntgenklassen beispielsweise bereits abgeschafft sind. Dennoch liefert es einige, heute definitiv noch gültige Aussagen:

 

Die Ankaufsuntersuchung

Dieser Teil des Beitrags entstand in Zusammenarbeit mit HorseVet24.


Jetzt gehen wir einfach mal davon aus, dass wir den passenden Partner gefunden haben - jetzt gilt es, einen kühlen Kopf zu bewahren und das Pferd untersuchen zu lassen. Über manche Baustellen oder Wehwehchen kann man hinwegsehen, andere Haken können zu langfristigen Problemen führen. Deswegen würde ich niemals ein Pferd nur wegen meines Herzens kaufen, so hart das klingt. Aufgrund von verschiedenen Ereignissen in der Vergangenheit würde ich ein Pferd auch nicht mehr ohne Zweitmeinung kaufen. Allerdings hat sich das immer mal wieder etwas schwieriger gestaltet, weswegen ich heute immer wieder auf den Dienst von HorseVet24 zurückgreifen würde. Der Telemedizin-Anbieter erlaubt mir nämlich die schnelle Kontaktaufnahme zu einem Fachtierarzt über WhatsApp: Ich kann vorab Röntgenbilder oder andere Bilder verschicken, ebenso kann ich im über WhatsApp Videos verschicken, um so eine klare Zweitmeinung zu bekommen. Die durchschnittliche Wartezeit auf den Rückruf beträgt zwischen fünf und zwanzig Minuten und das Gespräch ist zeitlich nicht begrenzt, die Terminpauschale wird pro Anruf, nicht pro Minute oder Stunde berechnet.


Als kleiner Zusatz, der vielleicht für einige etwas übertrieben, sich jedoch leider als teilweise wichtige Maßnahme empfohlen hat: ich würde im Zweifel bei einem Pferd immer noch einen Bluttest machen lassen. Natürlich fährt man dann ganz harte Geschütze auf, jedoch ist man dann auf der komplett sicheren Seite. Wenn man ein komisches Bauchgefühl hat, sollte man entweder direkt die Finger davon lassen, oder eben die schweren Geschütze auffahren, sollte das Pferd einen sehr hohen Kaufpreis haben, würde ich ebenfalls immer alles überprüfen, um in jeder Hinsicht abgesichert zu sein.


Bei meinem letzten erwachsenen Pferd, welches ich gekauft habe, hat sich ebenfalls die Vermittlerin unterschreiben lassen, dass sowohl ich als Käuferin, als auch die Verkäufer das Ankaufsuntersuchungsprotokoll anerkennen. Auch das muss man teilweise beachten, wenn mehr als zwei Personen in dem Kaufprozess involviert sind - im Reitsport läuft ja doch sehr viel über Kontakte, die für die erfolgreiche Vermittlung eine Provision erhalten.