Meine Essstörung: Mein Weg in ein glückliches und gesundes Leben

Disclaimer! In diesem Beitrag thematisiere ich Diäten, spreche über's Abnehmen und erzähle über meine Essstörung. Für wen diese Themen einen Trigger darstellen, der möge bitte nicht weiterlesen.


Der Startschuss


Heute ist der 16.04.2022 - heute ist der Tag, an dem ich meinen Entschluss, dass ich nun endlich etwas ändern muss, in die Tat umsetzen möchte. Dieser Entschluss steht schon etwas länger, allerdings hatte ich in der jüngsten Vergangenheit relativ viel um die Ohren und einfach nicht dir Kraft für eine Lebenswandel. Ich gehöre nicht zu denen, die glauben, dass ein durchtrainierter Körper sie glücklich machen und meinen, dass Kleidergrößen das Lebensglück beeinflussen. Die Zahlen auf der Waage tangieren mich nicht ansatzweise, ich esse leidenschaftlich gerne und bin ehrlich gesagt ein ziemlicher Sportmuffel, Size Zero war nie mein Traum und ich bin an und für sich zufrieden mit meinem Körper. Klar, die "typischen" Problemzonen hab ich auch, hier und da denke ich mir, dass es gerne ein bisschen weniger oder ein bisschen mehr sein könnte. Aber so wirklich gewollt habe ich es anscheinend nicht, zumindest nicht aus mir selbst heraus. Von anderen wurde mir regelmäßig gesagt, dass ich hübscher wäre, wenn ich weniger auf den Rippen hätte und auf jede erdenkliche Art wurde mir suggeriert, dass ich so, wie ich bin, nicht in Ordnung sei.


Der Höhepunkt war die Aussage einer Brand im Reitsport, die mir sagte, dass sie mich so gerne in ihrem Katalog hätten, ich jedoch zu dick sei. Würde ich abnehmen, würden sie mich sofort buchen. Mit der Zeit hat sich daraus sogar eine Essstörung entwickelt (Binge Eating, dazu habe ich euch auch dieses Video auf YouTube hoch geladen), die mich nun seit Jahren begleitet. Genau diese Essstörung ist es auch, die mich nun dazu bewegt hat, mich mit meinem Körper, meinem Fitnesslevel und meinem Wohlbefinden auseinanderzusetzen. Für mich ist diese Krankheit eine massive Belastung, denn körperlich leide ich darunter, gleichermaßen ist es eine große, psychische Herausforderung, da ich mich nach jeder Attacke wie eine Versagerin fühle.





Unabhängig davon, dass ich meine Essstörung nun endlich bekämpfen möchte, möchte ich ein grundsätzlich besseres Verhältnis zum Essen bekommen und mich vor Heißhungerattacken so gut es geht schützen - nicht nur, weil ich Angst vor Gewichtszunahme habe oder großartig abnehmen möchte, sondern weil ich merke, wie gut es meinem Körper tut, wenn ich mich mal konsequent gut ernähre. Außerdem esse ich gerne gesund, ich liebe Salate, Obst und Gemüse - allerdings bin ich vor allem in Stressphasen ein richtiger Zuckerfanatiker, sprich ich pflege aktuell auch unabhängig von einem generellen Problem mit Essen eine teilweise sehr ungesunde und vor allem unregelmäßige Ernährung. Ich esse entweder sehr viel oder gar nichts, habe immer wieder "Attacken" und habe dadurch natürlich auch eine emotionale Achterbahnfahrt.


Meine Krankheit


Vor vielen, vielen Jahren habe ich eine Essstörung entwickelt. Leider ist das Thema Binge Eating bis heute gesellschaftlich wenig anerkannt, denn für die Unwissenden da draußen sieht es einfach so aus, als würde man sich nicht unter Kontrolle haben. Und genau so ist es auch, wie bei jeder anderen Essstörung auch. Dennoch ist es leider so, dass wenn man unter der umgangssprachlich auch oft bezeichneten "Fresssucht" leidet, einfach nur als faul abgestempelt wird, denn man müsse ja eigentlich nur aufhören zu essen und sucht damit nur eine Entschuldigung, warum man immer mehr zunimmt. Diese Krankheit hat viele, viele Gesichter, manche nehmen immer mehr zu, andere wiederum entwickeln eine Art "Fitness/Essensssucht" und beginnen, exzessiv Sport zu treiben, um kalorisch wieder ins Minus zu kommen. Die Krankheit zeichnet sich also nicht automatisch in großen Kleidergrößen ab. Ich für meinen Teil habe kein nennenswertes Übergewicht, mein Gewicht schwankt immer mal wieder, jedoch trug ich noch nie mehr als Kleidergröße 40, seit einer Weile trage ich Kleidergröße 36/38, dennoch begleitet mich Binge Eating seit einer unfassbar langen Zeit.


Durch die Essstörung weiß ich ehrlich gesagt nicht einmal, in welchem "Format" ich mich in meinem Körper wohlfühlen würde, denn ein Wohlfühlgewicht habe ich einfach nicht, beziehungsweise ich weiß gar nicht, wie es sich anfühlt, sich wohl in seinem Körper zu fühlen. Ich hatte Phasen, da trug ich Kleidergröße 34/36 und war genauso unglücklich wie in der Zeit, in der ich zwei Kleidergrößen drüber trug. Für mich persönlich bedeutet das, dass mein Glück nicht an eine Kleidergröße oder die Zahl auf der Waage gekoppelt ist, sondern es geht darum, dass ich mich in meiner Haut wohlfühlen möchte. Ich möchte Essen können, ohne ein schlechtes Gewissen zu haben oder Angst davor zu haben, dass ich später noch eine Attacke habe und dadurch meinen Körper massiv belaste. Ich möchte gerne Sport machen, weil ich gerne Sport mache und nicht, weil ich mich auf die nächste Attacke vorbereiten möchte, damit mir dann über kurz oder lang meine Klamotten nicht mehr passen. Versteht mich nicht falsch, es geht nicht per se darum, dass ich nicht zunehmen möchte - es geht auch viel darum, dass man anderen keine Angriffsfläche bieten möchte, denn Gewicht ist ein Thema, zu dem viele ungefragt etwas sagen. Sowohl über die Sozialen Netzwerke, als auch im realen Leben, sowohl Fremde, als auch Freunde und Verwandte. Wenn man ohnehin schon Probleme mit seinem Körper und ständigen Gewichtswechseln hat, brauche man niemanden, der - so gut es auch gemeint sein könnte - ständig über das Gewicht spricht.


Mein Ziel


Mein Ziel ist es, dass ich eine ganz normale Beziehung zum Essen entwickle und endlich vollends gesund bin. Mir ist bewusst, dass es ein sehr, sehr langer Weg wird und dass ich vermutlich auch Rückschläge bewältigen muss, allerdings war ich noch nie so zielstrebig in Bezug auf dieses Thema. Ich habe es schon mehrmals probiert, aber immer wieder kam irgendetwas unerwartet in mein Leben, welches mich zurückgeworfen hat. Mittlerweile bin ich an einem Punkt in meinem Leben angekommen, an dem alles Sinn macht, ich mich sicher und angekommen fühle - nur dieser Teil von mir raubt mir immer noch so viel Energie und deswegen muss ich ihn endlich aus meinem Leben stoßen.


Ich habe lange überlegt, ob ich diesen Weg öffentlich gehen möchte, habe auch Ewigkeiten überlegt, bevor ich das Video dazu auf YouTube hoch geladen habe, denn mit so viel privaten Informationen bietet man wahnsinnig viel Angriffsfläche. Allerdings weiß ich, wie alleine ich mich fühle, wenn es um Binge Eating geht. Vielleicht helfe ich auch nur einer einzigen Person damit, wenn ich über meinen Weg aus der Essstörung schreibe und spreche - das wäre bereits ein Erfolg. In der kommenden Woche beginne ich damit, meinen Alltag diesbezüglich hier zu dokumentieren und eine wöchentliche Rubrik hier auf dem Blog zu veröffentlichen. Ich freue mich, wenn ihr Teil der Reise werdet.