Mein Zeitmanagement: Alles unter einen Hut bekommen

Zugegebenermaßen spiele ich Tetris mit meiner Zeit: Wenig Schlaf, ein vollgepackter Tag und der Wunsch, überall gut zu sein treiben mich das ein ums andere Mal an meine Grenzen. Doch ein gut organisierter Tagesplan lässt mich am Ende alle Punkte meiner To Do Liste schaffen - mal rechtzeitig, mal mit ein wenig Verspätung.


Ein ganz normaler Tag in meinem Leben


Einen ganz normalen Tag gibt es in dem Sinne gar nicht, denn aufgrund der vielen variablen (und teilweise unberechenbaren) Komponenten ist es fast unmöglich, eine Routine zu schaffen. Das hat, wie alles im Leben, seine Vor- und Nachteile. Schön daran ist, dass mir nie langweilig wird. Etwas schlechter ist jedoch, dass ich manche Aspekte nur schwer planen kann. Ein paar Eckpfeiler gibt es jedoch auch in meinem Alltag:


05:00 Uhr

Der Wecker klingelt - manchmal drehe ich mich nochmal kurz um, dann ist es plötzlich 08:00 Uhr und ich ärgere mich tierisch über mich... Aber meistens stehe ich dann auf und gehe erst einmal ins Bad, Gesicht waschen, mich anziehen und schminken. Mich zu schminken ist mittlerweile mein Ritual geworden, denn auch wenn ich kein Problem damit habe, ungeschminkt zu sein, so ist es für mich ein "Fertigmachen für den Tag" und ich fühle mich gleich viel frischer. Und seien wir mal ehrlich: um 05:00 Uhr sehen die wenigsten von uns wirklich so richtig gut aus, da helfe ich gerne mit Mascara ein wenig nach, meine müden Augen zumindest optisch ein wenig zu öffnen.


05:45 Uhr

Nach etwas Grübeln erinnere ich mich, wo ich das Auto geparkt habe.


06:00 Uhr

Sheldon und ich sind auf dem Weg in den Reitstall


06:30 Uhr

Im Stall angekommen bekommen die Pferde erst einmal Futter, während sie aufessen fülle ich schon einmal zwei Gartenabfallsäcke mit Heu. Diese Methode hat sich bewährt, vor allem da ich so ziemlich genau abmessen kann, was meine Pferde fressen. Bei fünf Pferden sind es doch ein paar mehr Säcke und so fülle ich einfach schon einmal beide Säcke randvoll, damit ich später zwei weniger habe. Dann setze ich schon einmal den ersten Wasserkocher auf, denn meine Pferde bekommen mittags zusätzlich Mash oder Rübenschnitzel.


06:45 Uhr

Meine Pferde haben aufgegessen, bis auf Civa bringe ich sie nun alle auf's Paddock. Caesarion und Caspian stehen zusammen, Cosma, Carlotta und Civa stehen auf dem anderen Paddock. Mit Civa fange ich nun an.


08:00 Uhr

Spätestens jetzt sind Civa und ich mit unserer Morgeneinheit fertig. Ab jetzt habe ich keine wirkliche Routine mehr, ich nehme es, wie es kommt und wie der jeweilige Tagesplan ist. Ich bewege noch ein bis vier weitere Pferde, miste zwischendurch (für fünf Boxen brauche ich aktuell 20 bis 30 Minuten, danach muss ich noch einstreuen und Heu füttern) und räume meine Sachen in die Sattelkammer.


12:00 Uhr

Jetzt fahre ich nach Hause.


12:30 Uhr

Schnell unter die Dusche, danach ein kleines Mittagessen.


13:15 Uhr

Fertig angezogen und neu geschminkt setze ich mich nun entweder an meinen Schreibtisch oder spiele mit unserer Tochter.


14:00 Uhr

Wenn kein Corona wäre, würde ich unsere Tochter jetzt aus der KiTa abholen. Wir haben allerdings Corona und deswegen ist das gerade kein Punkt auf meiner To Do Liste.


19:00 Uhr

Unser Kind geht ins Bett. Ich arbeite noch oder verbringen ein wenig Zeit mit meinem Mann, das kommt ganz darauf an, wie der Tag gelaufen ist, welche Projekte warten und ob beispielsweise Fußball im Fernsehen läuft...


Was bei meinem Tagesablauf auffällt...


Mein Mann kümmert sich aktuell den Vormittag um unsere Tochter, sodass ich zu den Pferden kann. Das funktioniert nur, weil er Elternzeit und jetzt über die Feiertage auch noch Urlaub hatte. Wenn das nicht der Fall ist, dann kehrt sich alles um, dann fahre ich morgens ganz früh in den Stall zum Füttern und Rausstellen, komme mittags mit unserer Tochter zum Reinholen, Füttern und Misten und abends dann zum Reiten und Pflegen. An solchen Tagen nimmt mir mein Trainer dann auf jeden Fall Cosma und Carlotta ab.


Meine Pferde bekommen tatsächlich nur zweimal am Tag Raufutter. Ich füttere mittags so ausreichend, dass es tatsächlich bis zum Folgetag reicht. Das war eine Tüftelarbeit, die auch über Heunetze ging, mittlerweile haben sie alle ihre Fressecken und ich füttere mittags das letzte Mal Heu. Ich weiß ehrlicherweise nicht, ob das bei allen Pferden so ist, bei Cosma war es tatsächlich auch ein wenig Erziehung, weil sie anfangs ihr ganzes Heu in der Box untergebuddelt hat. Mittlerweile funktioniert allerdings auch das sehr gut. Jedes Pferd hat seine präferierte Fressecke und dadurch habe ich einen stressigen Punkt weniger und muss nicht abends noch einmal hin.


Da meine Pferde nicht nur untereinander draußen stehen, sondern auch Paddockkumpel für andere Pferde sind, hole ich sie mittags zum Fressen vom Paddock und stelle sie danach dann in neuen Konstellationen wieder raus. Da ich rausstelle, holen die Besitzer der anderen Pferde dann später die Pferde wieder rein.


Einmal in der Woche pflege ich meine Pferde ausgiebig. Im regulären Alltag putze ich sie und achte auf ihre Gesundheit, jedoch gibt es einmal die Woche den Pflege-Rundumschlag, sowohl bei meinen Pferden, als auch bei meiner Ausrüstung. An diesem Tag reite ich nicht, stattdessen werden die Hufe poliert, die Mähnen und Schweife bei Bedarf geschnitten, die Pferde (falls nötig) gewaschen, der Schweif wird allerdings auf jeden Fall gewaschen, meine Ausrüstung wird geputzt und geölt und alles, was sich eventuell an Unordnung angesammelt hat über die vergangenen Tage, wird beseitigt. Dieser Tag erleichtert mir wirklich viel, denn ich kann ein wenig durchatmen und dennoch meinem Wunsch nach top gepflegten Pferden nachgehen. Auch hier musste sich eine gewisse Routine etablieren, mittlerweile klappt es jedoch reibungslos.


Was auch auffallen sollte: ich habe keine ellenlangen Arbeitstage. Woran das liegt? Ich arbeite mittlerweile nicht mehr viel, sondern schlau. Das zu verinnerlichen war für mich ein langer Weg, doch schlussendlich ist es eines der besten Ziele, auf die ich jemals hingearbeitet habe. Es zählt nämlich nicht, wie unfassbar voll die To Do Liste ist oder ob man mal wieder eine Nachtschicht eingelegt hat - es zählt, ob man zufrieden mit seinem Leben ist. Und ganz ehrlich? Wenn ich von morgens bis abends am Computer sitze, dann bin ich nicht zufrieden. Denn dann verpasse ich ganz schön viel vom Leben. Deswegen habe ich rigoros aussortiert, kümmere mich um die Aspekte, die mir meinen Lebensstil finanzieren und ermöglichen und arbeite vor allem konzentriert und ohne Ablenkung. Früher habe ich mich immer damit gebrüstet, wie lange ich mal wieder gearbeitet habe oder wie viel ich zu tun habe. Das ist irgendwie "so ein Ding", dass man anderen unter die Nase reibt, wie beschäftigt man sei. Ich wollte aber nicht mehr beschäftigt sein, ich wollte das abarbeiten, was ich wirklich machen muss und dann schnell wieder den Computer ausmachen und mich um die (für mich) wirklich wichtigen Dinge im Leben zu kümmern. Der Weg war hart, ich musste mich von einigen Dingen (und auch Aufträgen) trennen, dafür kann ich jetzt meine neu gewonnene Zeit genießen.

Übrigens gehe ich genau so auch mit meinen Mitarbeitern um. Mir ist es lieber, produktive und glückliche Mitarbeiter zu haben, als solche, die bis spät abends vorm Rechner sitzen. In meinen Augen wird man nämlich für seine Expertise, nicht für seine Ausdauer auf dem Bürostuhl vergütet.


Auch mal Fünf gerade sein lassen


Ganz offen und ehrlich: ich bin Perfektionistin. Dass eine Sache mal nicht klappt passt mir ehrlicherweise so gar nicht. Trotzdem habe ich mit der Zeit gelernt, dass die Kunst darin besteht, auch mal vermeintlich misslungene Situationen auszublenden oder im besten Fall sogar noch etwas Positives aus ihnen zu ziehen.


Habe ich beispielsweise verschlafen, dann nützt es nichts, wenn ich mich den restlichen Tag darüber ärgere. Viel wichtiger ist dann, mich mit der Situation zu arrangieren und das Positive daraus zu ziehen. Zwar ist mein Tag dadurch deutlich stressiger, dafür konnte ich mal so richtig ausschlafen (ja, 08:00 Uhr ist für mich tatsächlich ausschlafen, ich bin ein waschechter Frühaufsteher). Ich versuche mittlerweile, überall das Positive zu sehen und kann dadurch meinem Ziel, eine gute Ehefrau, Mutter, Pferdeversorgerin und so vieles mehr zu sein, gut erfüllen.


Natürlich gibt es Tage, da möchte nichts klappen und es fällt mir da schon schwer, einfach drüber hinweg zu sehen, kein Drama draus zu machen und mich zu entspannen. Aber gerade an diesen Tagen versuche ich tief durchzuatmen, mich an den Dingen zu freuen, die funktionieren und sage mir, dass morgen auch noch ein Tag sein wird und ich erneut die Chance habe, das beste draus zu machen.