• Lisa Marie Kreutz

#Kreutzbitte: Dann fahren wir eben im Herbst!

Es ist kalt geworden. Sehr kalt. Mein Clintas trottet, eingewickelt in drei Decken, neben mir her und scheint ähnlich begeistert von dem plötzlichen Wintereinbruch zu sein wie ich. Nämlich gar nicht. Normalerweise würden wir uns zu dieser Zeit auf die Tour nach Spanien zur MET (Mediterranean Equestrian Tour) vorbereiten. Wir würden das Apartment buchen, den LKW packen, Zwischenstops planen und völlig euphorisch darüber diskutieren, welches Pferd wir am besten für welche Tour einsetzen werden.

Anstattdessen erscheine ich tagtäglich im Zwiebellook auf der Stallgasse, inspiziere kritisch den Frostzustand unseres Hallenbodens und hoffe, dass das Gefühl in meinen Händen unter Wärmezufuhr irgendwann wiederkehrt.

Die Turniere in Oliva finden zwar statt und auch wenn ich gerade nichts lieber täte, als ein paar schöne Runden unter der spanischen Sonne zu reiten, haben wir entschieden dass eine derartige Reise sich für uns, aufgrund der aktuellen Umstände, einfach nicht lohnt.


„Dann fahren wir eben im Herbst!“ habe ich ganz entschlossen verkündet, als wir mit strapazierten Nerven über dem Kalender hingen und irgendwie versucht haben, zumindest ein bisschen Struktur in unsere Saison zu bringen.

Der Fakt, dass ich das letztes Jahr ganz genau so gesagt habe, beruhigt mich ehrlich gesagt kein bisschen. Ich trauere immernoch einem meiner wertvollen U25-Jahre hinterher, aber versuche mir zumindest nicht all zu viel Sorgen um ein Weiteres zu machen. Letzteres ist leichter gesagt als getan, allerdings versuche ich mir eine gewisse Positivität zu wahren. Die letzte Saison war beschwerlich genug. Aufgrund der Regelungen für den professionellen Sport, lief sie für uns alle zwar viel besser als vermutet aber immernoch schlechter als gewöhnlich. Wir haben zu kämpfen gehabt und waren deprimiert. Das ist auch in Ordnung. Vielleicht ist es sogar nötig gewesen. Aber jetzt ist es an der Zeit, dass wir endlich aufhören uns konstant zu beschweren. Niemand weiß genau, wann wir wieder eine gewisse Normalität erleben werden. Das ist traurig. Ich halte es dennoch für die wesentlich bessere Option, sich mit der Situation zu arrangieren anstatt sich stetig über Dinge zu beklagen, die man ohnehin nicht verändern kann. Eigentlich könnten wir sogar dankbar sein. Immerhin sind die ersten Ziele gesetzt und die meisten von uns haben die ersten Turniere - sogar internationale - schon hinter sich. Es geht irgendwie weiter. Weil wir weiter machen können. Weil wir weiter machen dürfen. Das Einzige was wir im Moment aktiv zur Verbesserung beitragen können, ist zu akzeptieren. Die Situation zu akzeptieren, die Sorge zu akzeptieren, den Schmerz zu akzeptieren. Und am Ende, ganz gleich wie dieses Aussehen wird, das Beste daraus zu machen. Es ist wie bei einer schlechten Distanz die man nicht verhindern kann. Man sieht das Problem auf sich zukommen und es bleibt einem nichts anderes übrig, als sich den schwierigen Umständen mit geballter Konsequenz zu stellen. Wie das ausgehen kann, wissen wir alle nur zu gut. Manchmal gewinnt die Ungunst des Moments aber manchmal..manchmal gewinnst du.


Also geben wir auch weiterhin unser Bestes, weil man das als Sportler einfach so macht. Für den Moment, in dem das Scheinwerferlicht endlich wieder aufglüht, die Turnierplätze zum Leben erweckt werden und sich die Tribünen wieder dort füllen, wo gerade nur die grauen Sitzreihen warten.