Konditionstraining: Pferde verschiedenen Alters fit halten

In meinem Stall stehen vier Reitpferde, die sich in ganz unterschiedlichen Phasen ihres Lebens befinden: Cosma und Carlotta werden gerade auf ihre ersten Springpferde A-Prüfungen vorbereitet, Civa soll demnächst wieder in L Springen starten und Caesarion soll einfach nur gesund sein und bleiben, wofür jedoch eine gewisse Grundkondition unerlässlich ist.

Cosma und Harriet Charlotte Jensen
Cosma braucht etwas länger als Carlotta, um Übungen zu verstehen. Jedes Pferd wird beim Konditionstraining ganz individuell betrachtet. / Foto: Franziska Sack

Kondition für Jungpferde


Gerade Cosma und Carlotta sind vom Grundkörperbau und auch charakterlich so unterschiedlich wie Tag und Nacht. Während Cosma sich immer noch etwas schwer mit ihren Dimensionen tut und sich gerne auch zur Arbeit überreden lässt, ist Carlotta energiegeladen und möchte der Person im Sattel immer alles recht machen. Die beiden sind da natürlich kein Einzelfall, Pferde sind alle individuell und demnach gibt es keine Patentlösung. Im Gegenteil, was für das eine Pferd grandios funktioniert, kann für das nächste wiederum pures Gift sein.


Gerade bei den Jungpferden, die vielleicht noch gar nicht so recht in ihrem Körper angekommen sind und manchmal mit ganz anderen Dingen beschäftigt sind, ist es meines Erachtens besonders wichtig, nach den körperlichen Voraussetzungen zu entscheiden, wie man das Konditionstraining mit dem jeweiligen Pferd angehen möchte. Für meine Pferde ist mir jedoch, ganz unabhängig vom Alter, vor allem die Abwechslung wichtig, denn eintöniges Training ist nicht unbedingt förderlich für die Kondition, da dort keine neuen Reize und Impulse gesetzt werden.


Kondition bauen die Pferde in erster Linie natürlich in Bewegung auf - hierbei gibt es tausend verschiedene Möglichkeiten: Ordentliches Schritt reiten, unterschiedlichen Böden, längere Trabintervalle, Galoppeinheiten, Springgymnastik, Parcoursspringen. All das fördert automatisch die Kondition. Jedoch nur dann, wenn es dem aktuellen Leistungsstand des Pferdes gerecht wird, sonst ist es nicht förderlich, im schlimmsten Fall sogar schädlich für das Pferd.


Bei meinen jungen Pferden ist mir zudem eine Sache besonders wichtig: Pausen. Ich habe früher den Fehler gemacht, weil es mir jedoch auch von meinen Reitlehrern damals so vorgelebt worden ist, Montag bis Samstag zu trainieren und Sonntag dann Pause zu machen. Mittlerweile bin ich von diesem starren Wochenplan abgerückt und gebe meinen Pferden so viel frei, wie sie benötigen und wie ich meine, dass es nötig ist. Gerade nach einem Tag mit höherer Belastung steht mindestens ein Tag komplette Ruhe auf der Wiese auf der Agenda.


Kondition: Abtrainieren nach den Turnieren?


Gerade die coronabedingte Auszeit hat meinen Blick auf das Abtrainieren der Pferde gezogen. Für mich gab es so etwas wie "Abtrainieren" nicht, da ich grundsätzlich das ganze Jahr über geritten bin, im Sommer war ich viel auf Turnieren unterwegs, im Winter ein wenig, sofern es denn Turniere gab. Nun, durch Corona, fehlen mir die Turniere und die Zeit zieht sich ein wenig mehr, so zumindest mein Gefühl. Dadurch wurde ich erstmalig für den gezielten Aufbau für Prüfungen sensibilisiert. Natürlich bin ich nicht im Spitzensport unterwegs und deswegen klingt es etwas hochtrabend, aber am Ende des Tages ist es das oberste Ziel, die Pferde gesund und munter zu halten - und, sobald Turniere für uns wieder stattfinden, perfekt vorbereitet zu sein, damit wir zum Rahmen unserer Möglichkeiten theoretisch auch die Chance auf eine Platzierung haben.


Natürlich kann man auch hier nicht pauschalisieren, jedes Pferd ist anders, doch ich habe gemerkt, dass es gar nicht so einfach für mich - und die Pferde - ist, wenn man ein konstantes Level die ganze Zeit halten muss, als würde man jederzeit auf's Turnier fahren. Deswegen habe ich im Zuge der schwer zu greifenden Corona-Maßnahmen entschieden, jetzt erstmal nicht so zu reiten, als würden wir auf ein Turnier fahren. Dabei habe ich den "Druck" raus genommen und einfach ein wenig Spaßprogramm mit den Pferden gemacht. Immer wieder baue ich dann anstrengendere Wochen ein, um dann wieder ein wenig lockerer zu trainieren. Natürlich kommt es zudem auf das Alter des Pferdes, den allgemeinen Zustand, aber auch auf die Prüfungsanforderung an. Das lockere Training von Civa sieht beispielsweise ganz anders aus, als das lockere Training von Carlotta - und wiederum anders sieht es bei Cosma aus.


Nehmen wir mal das Beispiel Arbeit mit dem Pferd "am Sprung", beziehungsweise mit Stangen. Dort wäre die lockere Arbeit mit Civa einzelnen Sprünge oder leichte Linien mit langen Wegen über ganz kleine Hindernisse, maximal auf A-Niveau. Carlotta würde auf ganz langen Linien zwei kleine Kreuze springen, Cosma wiederum würde Stangenarbeit machen. Alle drei Pferde haben ganz andere Baustellen und empfinden Anstrengung zum aktuellen Stand der Ausbildung deutlich anders.


Wichtig ist für mich, dass meine Pferde keine komplette Pause haben, sie werden immer noch täglich bewegt, auf die ein oder andere Art, da sonst die Muskulatur komplett verschwindet. Einzig und allein wenn es wirklich nötig ist bauen wir eine komplette Pause ein - so musste beispielsweise Carlotta knapp vier Wochen pausieren, weil sie einen Wachstumsschub hatte, der sie beim Reiten eindeutig gestört hat. Sie war hinten deutlich überbaut und lief beim Reiten nur bergab, unabhängig davon, was wir gemacht haben. Deswegen habe ich unser Training für eine Weile pausiert und sie in der Zeit auch nur auf der Wiese gehabt, locker am Halfter longiert oder bin mit ihr spazieren gegangen. Gedankt hat sie es mir danach mit einem neuen Schwung an Energie, als sie sich wieder "zurecht gewachsen" hatte. Auch das ist ein Aspekt, den man immer mit in die Waagschale werfen muss, gerade bei jungen Pferden. Richtig abtrainieren tun wir jedoch nicht, wir steigern oder minimieren die Intensität und vermeiden Schwankungen von 100 auf 0 oder umgekehrt.


Kondition ist nicht gleich Ausdauer


Kondition und Ausdauer werden häufig synonym verwendet, dabei ist das nicht unbedingt korrekt. Kondition kann man eher mit Fitness gleichsetzen, sprich es geht hierbei nicht um die reine Ausdauer, sondern auch um Kraft, Beweglichkeit und Schnelligkeit. Kondition ist also das übergeordnete Element, die Ausdauer ist ein Teil dieser. Es geht bei der Kondition also um viel mehr, als nur um die Frage, wie lange ein Pferd eigentlich laufen kann. Die vier Punkte stehen in einer Wechselbeziehung zueinander, sodass man parallel an allen vier Bereichen regelmäßig arbeiten muss.


Die allgemeine Kondition wird bereits mit der täglichen Arbeit trainiert. Springreiten, Ausreiten in allen drei Grundgangarten, Dressurtraining oder Stangen- und Cavalettiarbeit fördern Kraft, Ausdauer und Beweglichkeit. Die Koordination der Pferde kann man durch Lektionen wie beispielsweise Seitengänge weiter fördern. Dabei sollte man auch immer im Blick behalten, was man mit dem Pferd machen möchte, denn ein Dressurpferd wird eher in den Punkten Kraft und Ausdauer gefördert, während ein Springpferd vor allem die Punkte mittlere Ausdauer und Schnelligkeit benötigt.


Drei Trainingsmethoden

  • Intervallmethode: Es wird zwischen Belastungs- und Erholungsphasen gewechselt, allerdings soll sich der Körper in den Erholungsphasen nicht vollständig erholen. Dadurch wird ein starker Trainingsreiz gesetzt. Ziel: Grundlagenausdauer, Kraftausdauer, Laktattolerand, maximale Sauerstoffaufnahme

  • Dauermethode: Gleichmäßige, längere Ausdauerbelastung ohne Pause. Ziel: Grundlagenausdauer, Muskelfaserveränderungen, Kraftausdauer, Langzeitausdauer, Erholungsfähigkeit

  • Wiederholungsmethode: Hohe Intensität, nur mit vollständigen Pausen möglich. Ziel: Schnellkraftausdauer, Durchhaltevermögen, wettkampfspezifische Ausdauer

Pausen sind essentiell wichtig


Extreme Trainingseinheiten oder -intensitäten sollten nur kurz verlangt werden, wobei die darauffolgende Pause der Anforderung gerecht werden muss. Das bedeutet nicht, dass man nach hoher Belastung sofort abbricht und sein Pferd wegstellt, sondern ihm die Möglichkeit gibt, den Körper locker herunter zu fahren, beispielsweise durch lockeres Austraben oder Schritt Reiten am langen Zügel.


Das fördert die Kondition

  • Die allgemeine Ausdauer verbessert sich durch tägliche, abwechslungsreiche Arbeit mit dem Pferd vom Boden oder aus dem Sattel heraus an, sofern dies in allen drei Grundgangarten für eine Stunde passiert

  • Ausreiten auf unterschiedlichen Böden

  • Korrekt gerittene Übergänge

  • versammelnde Lektionen

  • Cavaletti-Arbeit in Trab und Galopp

  • Klettern am Berg

  • Seitwärtsbewegungen und Seitengänge