Kastration eines Hengstes - Ein Erfahrungsbericht

Lange habe ich diese Entscheidung vor mir hergeschoben, nun war es endlich so weit und Caspian (*2019, Comme il faut - Coriano - Lasino) wurde gelegt. Vorab mussten viele verschiedene Entscheidungen getroffen werden, angefangen mit der Frage, ob er überhaupt gelegt werden soll, bis hin zu der Überlegung, wann und wie er gelegt werden soll.

Fuchs Hengst Comme il faut
Caspian HC / Foto: Diana Wahl

Legen lassen - Warum überhaupt?

Der Traum vom selbst gezogenen, gekörten Hengst - den haben vermutlich viele Züchter. Auch Hobby-Züchter wie ich sind da keine Ausnahme. Doch was bedeutet es eigentlich, einen Hengst zu halten?

Hengste zu sozialisieren ist natürlich machbar - besonders, wenn man einen eigenen Reitstall hat und dort über alle Fassilitäten verfügt, die einen reibungslosen, stressfreien Ablauf gewährleisten. Leider ist das nicht in jedem Stall möglich, sodass man sich klar machen muss: Ist die Haltung eines Hengstes überhaupt artgerecht machbar? Und für alle Beteiligten - da zähle ich mich als Menschen auch zu - stressfrei und ohne überdurchschnittlichen Mehraufwand zu bewältigen?

In meinem Fall wäre das nicht machbar gewesen, da ich in einem Pensionsstall stehe und unsere Wiesen an diverse andere Wiesen grenzen - sprich ich nicht entscheiden kann, wann welche Pferde auf den anderen Weiden stehen und demnach immer wachsam sein müsste. Einen Hengst zu einem "nicht-hengstigen" Verhalten zu erziehen ist - zumindest für mein Verständnis - nicht möglich, denn auch wenn mein Hengst mit einem Wallach sozialisiert ist und diesen ganz normal behandelt, so reagiert er auf fremde Wallache und eben auch auf Stuten sehr deutlich. Jedes Pferd hat einen individuellen Charakter und nicht jedes Verhalten hat grundsätzlich etwas mit Erziehung zu tun. Ich müsste also permanent unseren Stallbesitzern im Nacken sitzen und den Weide- und Paddockplan kontrollieren. Das ist für mich weder zeitlich machbar, noch habe ich Lust, ständig mit mindestens einem Auge und einem Ohr im Reitstall zu sein. Ein Pensionsstall bedeutet nämlich automatisch auch immer Rücksicht auf andere.

Caspian hat sich tatsächlich in den letzten Wochen sehr gemacht, sodass ich die Entscheidung, ihn tatsächlich legen zu lassen, zwei-, dreimal angezweifelt habe. Er macht einen tollen Sprung, hat eine sehr gute Abstammung, einen feinen Kopf und ist im Umgang freundlich, offen und entspannt. Eine Zeit lang war er sehr schlaksig, doch auch das wächst sich aktuell zurecht - allerdings sollte man meines Erachtens grundsätzlich nicht zu große Erwartungen an einen Zweijährigen haben, doch das steht auf einem anderen Blatt Papier. Bei allen romantisierten Gedankenspielen stand allerdings ganz nüchtern fest, dass er eventuell eine Chance bei der Körung hätte, die aktuelle Situation es allerdings einfach nicht hergibt.

Warum nicht in der Klinik?

Gemeinsam mit meinem Tierarzt haben wir die Vor- und Nachteile der verschiedenen Möglichkeiten besprochen und haben uns am Ende dafür entschieden, ihn im heimischen Stall zu kastrieren. Natürlich bietet die Kastration eines Hengstes in der Klinik ein deutlich sterileres Umfeld, jedoch haben wir bei uns wiederum die Möglichkeit, ihn am Folgetag direkt wieder auf die Koppel lassen zu können und ihm weder den Reisestress auszusetzen, noch ihm seine Weidefreunde oder den Auslauf zu nehmen.

Aufgrund seines jungen Alters (geboren im Februar 2019) ist das Risiko einer Kastration noch recht gering. Tatsächlich steigt das Risiko mit wachsendem Alter an, sodass ein frühes Legen sogar ratsam ist, wenn der Hengst zum Wallach werden soll. Wir haben uns schlussendlich dazu entschieden, ihn im Liegen bei uns in der Longierhalle legen zu lassen, um ihn nicht unnötig zu stressen.

Der Ablauf der Kastration

Mein Tierarzt kam so gegen 10:30 auf den Hof. Morgens hatte ich Caspian bereits sehr früh laufen lassen, danach ging er für vier Stunden auf die Wiese. Er musste nicht nüchtern sein, jedoch wurde mir davon abgeraten, ihm vorab eine größere Menge Kraftfutter zu füttern - Heu oder Gras seien allerdings kein Problem.

Hengst Kastration Narkose
Caspian bereits leicht sediert, kurz vor der Narkose

Wir starteten sofort nach dem Eintreffen des Tierarztes und seiner Assistentin: nachdem sich noch einmal vergewissert worden ist, ob er kastrierbar (bedeutet, dass beide Hoden vorhanden sind) sei, bekam Caspian eine Spritze gesetzt, die ihn schon einmal sedieren sollte, währenddessen rasierte die Assistentin eine Stelle an seinem Hals und setzte ihm dort eine Braunüle, welche dann auch noch fixiert wurde. Leicht sediert und bereits vorbereitet für den kurzen Eingriff ging es dann den kurzen Weg von der Box in unsere Longierhalle. Dort erhielt er eine Narkosespritze, um dann wenige Sekunden später mit dem Ablegen zu beginnen. Mein Tierarzt und ich mussten uns mit aller Kraft gegen ihn stemmen, denn ursprünglich wollte er sich auf die Seite legen, auf der der Zugang gelegt worden war. Zugegebenermaßen etwas weniger elegant fiel er dann auf die richtige Seite.

Hengst Kastration im Liegen
Caspian unmittelbar nach der Kastration

Mein Tierarzt band meinen Strick um sein linkes Hinterbein und bat mich, Caspian Bein zu halten - damit hatte ich ehrlicherweise nicht gerechnet und war dementsprechend etwas überrumpelt. Kaum hatte ich den Strick im Griff, ging es auch schon direkt los. Was genau passiert ist konnte ich nicht sehen, denn das Bein versperrte mir die Sicht. Nachdem er die gesamte Region gesäubert und desinfiziert hatte, ging der Rest rasend schnell und war deutlich weniger blutig, als ich es erwartet hätte. Em Ende wurde die Wunde mit einem selbst-auflösenden Faden vernäht.

Hengst Kastration Narkose aufstehen
Caspian direkt nach dem Aufstehen

Danach hieß es erst einmal abwarten - die Braunüle lag immer noch im Hals, für den Fall der Fälle, dass er einen Kreislauf-Kollaps nach dem Aufstehen erleiden sollte. Beim Aufstehen kann wohl alles passieren, Caspian merkte jedoch schnell, dass er noch nicht so weit war und nahm sich alle Zeit der Welt. Nachdem er aufgestanden war, sich ein wenig orientiert hatte und langsam wieder aufwachte bekam er noch drei Spritzen: Schmerzmittel, Antibiotikum und entzündungshemmende Medikamente.

Die Tage danach und die Nachbehandlung

Am Folgetag bekam er die erste Dosis Schmerzmittel zum Frühstück - bekommen habe ich sechs Tüten XXX, welche einmal täglich verabreicht werden sollten. Der Tierarzt empfahl freien Auslauf, jedoch keine kontrollierte Bewegung (beispielsweise Longieren). Von Boxenruhe wurde mir tatsächlich abgeraten. So ging es morgens, nicht einmal 24 Stunden nach der Kastration, gemeinsam mit seinem Weidepartner auf die Wiese. Auf dem Weg dorthin wieherte er alle Pferde an, war aufgeweckt und fröhlich. Auf der Wiese angekommen galoppierte er durch das Gras und wirkte nicht so, als würde ihn irgendetwas stören oder gar wehtun.

Am zweiten Tag nach der Kastration ging er wieder auf die Wiese, auch heute merkte ich keinerlei Veränderung an ihm, er wirkte wieder fröhlich und munter. Im Laufe des Tages kam der Tierarzt, um seine Wunde anzusehen und ihm erneut ein Antibiotikum zu spritzen. Er hatte nichts auszusetzen und war mit dem Ergebnis so weit zufrieden.

Am dritten Tag nach der Kastration hatte Caspian das gleiche Programm, wie an den Vortagen: viele, viele Stunden auf der Wiese.

Am vierten Tag kam erneut der Tierarzt für die letzte Antibiotikum-Spritze und einem finalen Kontrolltermin, an dem er entscheiden wollte, ob Caspian mehr Nachsorge brauchen würde oder ob wir auch weiterhin mit dem Minimum an Versorgung auskommen würden.

Fazit

Für uns war diese Art der Kastration der richtige Weg: Caspian hat die Kastration gut und ohne Komplikationen weggesteckt, hatte keinen Stress durch Anreise und Unterkunft in einer Klinik und ist schnell wieder fit gewesen. Jedoch sollte für jeden Hengst in enger Absprache mit dem Tierarzt oder der Tierärztin eine individuelle Lösung gefunden werden.