Inklusive Pferd - Eine Initiative für Aufmerksamkeit, Akzeptanz und Anerkennung des Para-Sports

Alles begann im Sommer 2017 mit einem Aufruf auf Facebook: „Ich möchte Pferde und Reiter fotografieren, die aus dem Raster fallen. Die anders sind. Die eine besondere Geschichte zu erzählen haben.“, schrieb Diana Wahl, die vor allem durch ihre außergewöhnlichen Goldpferd-Fotografien weltweit bekannt geworden ist. Die Resonanz auf diese zwei Zeilen war immens, es meldeten sich Reiter, die entweder selbst körperlich eingeschränkt sind oder die Pferde haben, die beispielsweise eines oder beide Augen verloren hatten. Das Feedback war deutlich größer, als Diana es erwartet hatte und die Auswahl der zu fotografierenden Paare für das Projekt fiel ihr schwer.


Am Ende suchte sie 15 Paare aus, die sie fotografieren wollte. Das Projekt sollte größer werden und so entstand die Idee eines Bildbands mit dazugehörigem Blog. Nachdem Diana ein paar Shootings abgeschlossen hatte, musste das Projekt unerwartet pausieren. Die Karriere der Fotografin nahm richtig Fahrt auf und so fehlten schlicht und ergreifend die Ressourcen für das Herzensprojekt der besonderen Pferde mit den dazugehörigen Menschen. Damals schafften es nur wenige der Fotos in die Öffentlichkeit und schlussendlich wurde es ruhig um die Idee der „Para Sport Reihe“. Was fehlte, war der richtige Rahmen für die außergewöhnliche Bildreihe.


Erst die Kontaktaufnahme von Sarah Naumann brachte den Stein wieder ins Rollen. Diese hatte eine ähnliche Idee wie Diana, wollte allerdings das Projekt lieber unterstützen, anstatt ein eigenes Unterfangen auf die Beine zu stellen. Aufgrund eines Unfalls beim Gleitschirmfliegen musste sie sich neu auf den Reitsport einstellen. Sarah Naumann ist Mediengestalterin für Bild und Ton, fotografiert ab und an und steckt hinter den Texten und der Technik von Inklusive Pferd. In ihrem Rücken sind acht Schrauben, Gesäß und Füße sind zum Teil taub und ihre Wadenmuskulatur ist nicht so kräftig, wie sie sein sollte. Doch wenn sie auf dem Pferd sitzt, würden die wenigsten diese Tatsachen erwarten. Denn Reiten mit Einschränkungen klappt gut, besser, als sie es selbst damals vermutet hätte, als sie sich mit der neuen Situation arrangieren musste.


Gemeinsam entschieden sie sich, das Projekt wieder aufleben zu lassen und so war die Idee rund um „Inklusive Pferd“ geboren. Mittlerweile gehört zu dem Projekt neben den Fotografien auch ein unterhaltsamer und nahbarer Podcast mit Para Reitern, die teilweise überraschend humorvoll über ihren Pferdealltag berichten – ganz anders, als man es vermutlich erwartet. Und genau das ist der Kern des Projekts.

Rollstuhl Paralympics Reiten

„Schon von Geburt an habe ich keine Beine, also keine Knie, keine Unterschenkel und keine Füße. Ich trage aber als Kompensation im Alltag zwei Prothesen. Damit komme ich echt gut klar. An jeder Hand habe ich nur drei Finger, mein rechter Ellenbogen ist komplett steif und der Linke ist eingeschränkt bewegbar: Also den kann ich nicht ganz strecken und auch nicht ganz beugen.“ – Julia Porzelt

Beinprothesen

Das Projekt „Inklusive Pferd“ regt zum Nachdenken an, denn viele Pferdemenschen haben Vorurteile und Berührungsängste, wenn es um das Thema Pferde und Reiter mit einer Beeinträchtigung geht. Da ist es positiv überraschend, wie offen die auf Dianas dargestellten Fotografien Reiterinnen über ihr Handicap reden. Sie zeigen, dass sie nicht die personifizierte schwere Krankheit oder der menschgewordene Schicksalsschlag sind, stattdessen klären sie vor allem im Podcast mit viel Witz und Charme über die Umstände auf. Das Ziel von diesem Projekt ist es, dem Para-Sport auch langfristig mehr Aufmerksamkeit, Akzeptanz und Anerkennung zu.