Herpes-Impfpflicht ab 2023 - Die Deutsche Reiterliche Vereinigung hat entschieden

Ab dem 01. Januar 2023 müssen alle Turnierpferde in Deutschland gegen das Equine Herpesvirus 1 geimpft sein, das hat der Beirat Sport im Rahmen der Jahrestagungen der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN) beschlossen. Der Auslöser für die Diskussion war unter anderem der EHV1-Ausbruch im Frühjahr 2021 in Valencia.


Herpes Impflicht: Das wurde entschieden


Anfang Juli 2021 hat der Beirat Sport bei der Jahrestagung der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN) nach langen, ausführlichen Diskussionen der Vor- und Nachteile die Einführung einer Impfpflicht gegen Herpes für alle Turnierpferde ab dem 01.01.2023 beschlossen. Die Entscheidungen im Beirat Sport werden in Form von Mehrheitsbeschlüssen gefasst, vertreten sind alle Mitglieds- und Anschlussorganisationen der FN, unter anderem auch die Landespferdesportverbände.


Die Impfpflicht konzentriert sich auf die Turnierpferde, da diese im besonderen Maße gefährdet sind. Turniere sind Veranstaltungen, auf denen Pferde aus verschiedenen Beständen aufeinandertreffen und dadurch der Ausgangspunkt für Epidemien werden können (HCJ Magazine berichtete über den Ausbruch auf dem internationalen Turnier in Valencia).


International sieht das Ganze aktuell übrigens noch anders aus: bei der FEI wird die Impfpflicht zurzeit diskutiert, wurde allerdings noch nicht durchgesetzt. Wirft man einen Blick auf den Galopprennsport, so ist dort sowohl im deutschen, als auch im internationalen Galopprennsport die Herpes-Impfung Pflicht.


Das Ziel der Impflicht gegen das Herpesvirus bei Pferden


Das Hauptziel der Impfpflicht ist durch eine konsequente Impfung möglichst vieler Pferde zu einer Reduktion der Menge von zirkulierenden Herpesviren beizutragen. Dadurch soll die Infektionskette unterbrochen, die Erkrankungszahlen und die Morbiditätsrate sollen reduziert werden. Mit der Entscheidung folgte der Beirat Sport den Empfehlungen der Ständigen Impfkommission Veterinärmedizin (StIKo Vet). Diese empfiehlt nämlich bereits seit vielen Jahren die Impfung gegen Herpesviren für Pferde.


Viele fordern zudem eine Meldepflicht, jedoch liegt diese Entscheidung nicht in der Hand der FN, sondern wird vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) getroffen. Die FN hat beim BMEL bezüglich einer Meldepflicht nachgefragt, jedoch die Antwort erhalten, dass eine Meldepflicht für das Herpesvirus beim Pferd nicht geplant sei.


Die Vor- und Nachteile der Herpesimpifung für Pferde


Eine Impfung soll schützen, so auch die Impfung gegen Herpes bei Pferden. Der Vorteil der Impfung ist, dass geimpfte Pferde im Falle einer Infektion oder auch im Falle einer Reaktivierung des Virus ohne erkennbare Symptome weniger Viren ausscheiden. Werden weniger Viren ausgeschieden, verringert sich automatisch die Gefahr, dass weitere Pferde infiziert werden.


Die Nachteile liegen jedoch auch auf der Hand. Die Impfung gegen Herpes schützt das einzelne Pferd im Vergleich zu den Impfungen gegen Tetanus und Influenza nicht. Außerdem gibt es seit Jahren viele Berichte über diverse Nebenwirkungen, teilweise langfristige, irreversible Folgen und starke Impfreaktionen. Natürlich birgt jede Impfung auch ein gewisses Risiko, jedoch häufen sich die Meldungen explizit bei der Herpes-Impfung.

Gibt es ausreichende Mengen an Impfstoff?

Aktuell gibt es nach Auskunft der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN) drei Impfstoffhersteller auf dem Markt, die gegen EHV-1 wirksam sind. Alle drei Hersteller gaben an, den Bedarf decken zu können, doch um Engpässe definitiv zu vermeiden, ist das kommende Jahr (2022) als Überbrückungsjahr vorgesehen, um Reitern und Herstellern die Möglichkeit zu geben, sich auf die neue Forderung einzustellen. Bereits die vergangenen Jahre gab es immer wieder Engpässe bei der Versorgung mit Herpes-Impfstoff, besonders nach dem Ausbruch von EHV-1 beim Springturnier in Valencia Anfang des Jahres.


Ausnahmen: Von der Impfpflicht befreit?


Das Ziel der Impfung ist, wie bereits erläutert, die Menge von zirkulierenden Herpesviren zu reduzieren und die Infektionsketten zu vermeiden. Aus diesem Grund teilte die FN mit, dass es keine Ausnahmeregelungen oder -befreiungen von der Herpes-Impfpflicht geben wird.