#Kreutzbitte: Die Suche nach dem Superstar - Junge Pferde sind die Zukunft



„Junge Pferde sind die Zukunft!“ - Diesen Satz habe ich so fürchterlich oft gehört, während ich mich mit Händen und Füßen gegen den Besitz eines jungen Pferdes gewehrt habe, ihn als Floskel abtat und seine Bedeutungsschwere nicht ganz begreifen wollte. Ich habe zwar schon immer Freude daran gehabt, in den Sattel eines Youngsters zu steigen und dessen Entwicklung zu begleiten, doch tatsächlich besitzen wollte ich eben keinen. Zum Einen, weil der Markt so in die Höhe geschossen ist, dass man sich drei Mal überlegen muss, ob man wirklich so viel Kapital, in Verbindung mit einem gewissen Risiko, einlegen kann. Zum Anderen, weil ich den Fakt, dass meine aktuellen Pferde für den Grand Prix altern, nur zu gerne ignorieren möchte.

Doch leider ist es wahr. Junge Pferde sind buchstäblich die Zukunft und wer in dieser Branche arbeitet, kommt auf keinen Fall drum herum, sich intensive Gedanken zu diesem Thema zu machen. Einige züchten selbst und haben dadurch viele Möglichkeiten, schon sehr früh zukünftige Champions zu erkennen und zu fördern. Das kostet allerdings viel Zeit, Geld und Nerven. Andere nehmen Pferde in Beritt und hoffen dass sie diejenigen mit außerordentlichem Potential möglichst lange halten können. Und dann gibt es noch die Fraktion, die gezielt nach jungen Pferden sucht, an deren Entwicklung sie glauben können, um diese einzukaufen. Nach vielen teaminternen Diskussionen haben wir uns für letzteres entschieden. Als U25-Reiter (oder in anderen Fällen auch Reiter, die vom Handel leben) ist es relativ unwahrscheinlich (dennoch nicht unmöglich), dass man die wirklich guten Youngster lang genug halten kann. Also zog ich los, um das eine Pferd zu finden, an dessen Potential ich bis in die letzte Faser meines Körpers glaube und der in meinen Augen gesund genug ist, damit ich mögliche Risiken bedenkenlos eingehen kann. Ich tat, was alle tun, denn Fakt ist: Die ganze Welt sucht nach dem nächsten Superstar. Es gibt sogar Menschen - sogenannte Scouts - deren einzige berufliche Aufgabe es ist, genau dieses vielversprechende Pferd zu finden. Auf irgendeinem Turnier läuft er nämlich bereits - der Olympiasieger von Paris 2024. Ich persönlich denke noch gar nicht an Championate aber ein außergewöhnliches Flugzeug, mit dem ich gemeinsam wachsen kann, wollte ich trotzdem.


Wir haben ungefähr ein halbes Jahr gesucht und auch eine wirklich intensive Enttäuschung erleben müssen, bis ich ihn endlich fand: Meinen Future Champion. Valentin. Normalerweise entwickle ich keine voreiligen Sympathien für ein Pferd, auf dem ich das erste Mal sitze, aber der kleine Wallach hat mich direkt um den Finger gewickelt. Ich musste nicht lange überlegen, ich habe es einfach gewusst. Wenige Wochen später ist er dann bei uns eingezogen und mit ihm kam auch endlich das Verständnis für den ganzen Hype um die jungen Pferde. Zuallererst habe ich plötzlich Muttergefühle und ganz neue Grenzen in Sachen Geduld entwickelt. Valentin ist nämlich zuckersüß, furchtlos und hat seinen eigenen Kopf - eine ganz kritische Kombination. Man weiß nie, ob man ihm böse sein oder einfach lachen soll. Darüber hinaus ist wirklich jeder Tag ein Erfolg. Selbst dann, wenn etwas nicht so gut klappt, klappt etwas anderes viel besser. Und ich kann nicht in Worte fassen, wie viel Freude es mir bereitet zu sehen, wie sich sein Sprungablauf während unserer gemeinsamen Zeit entwickelt hat. Es gibt kein Training, nach dem ich nicht freudestrahlend im Sattel sitze und anfange, mir eine gewisse Zukunft für uns auszumalen. Neben seinem Ehrgeiz ist das vielleicht sogar das Schönste, was er mitgebracht hat: Er erlaubt mir, zu träumen.


Es klingt pathetisch, aber das macht es nicht weniger wahr. Man genießt jeden noch so kleinen Fortschritt und denkt über alles nach, was eines Tages sein könnte. Festlegen kann man noch gar nichts, aber ausschließen eben auch nicht. Und für mich ist es genau das - das offene Ende, der Hauch einer Möglichkeit - was die Arbeit mit jungen Pferden ausmacht. Ich brauchte wohl erst meinen eigenen zukünftigen Superstar, um genau das zu verstehen.