Der individuelle Trainingsplan für Pferde

Meine fünf Pferde sind in ganz unterschiedlichen Phasen ihres Lebens - und zusätzlich sind sie auch noch verschiedene Charaktere. Den einen Trainingsplan gibt es also für sie gar nicht, sondern mit jedem Pferd schaue ich ganz individuell, wo die Reise für uns hingehen soll.


Der Ist-Zustand


Vor jedem Plan steht eine genaue Analyse des Ist-Zustands. Dabei muss man immer realistisch sein, was nicht immer ganz leicht ist und manchmal vielleicht sogar ein bisschen wehtut. Aber je ehrlicher man zu sich selbst ist, desto einfacher kann man Probleme beheben und einen korrekten Trainingsplan aufstellen. In den Ist-Zustand sollten viele Faktoren mit einfließen:

  • aktueller Trainingszustand des Pferdes

  • aktueller Futterzustand des Pferdes

  • aktueller Tagesablauf des Pferdes (Fütterungszeiten und -mengen, Auslauf, ...)

  • eigenes Fitnesslevel

  • eigene zeitlichen Kapazitäten

Hat man den aktuellen Zustand von Pferd und Reiter analysiert, kann man damit beginnen, seine Ziele zu definieren.


Zieldefinition


Das Ziel sollte so präzise wie möglich festgelegt werden. Unter anderem sollte es zeitlich begrenzt sein, statt "irgendwann" braucht man ein ganz konkretes Enddatum, beispielsweise ein Turnier oder ein beliebiges, klar festgelegtes Datum. Außerdem sollte man sich genau überlegen, was man mit seinem Trainingsplan erreichen möchte. Auch hier sollte man so spezifisch wie möglich sein: Statt "Ich möchte höher springen" sollte man ganz klar formulieren, wie viel höher man springen möchte, ob es ein ganzer Parcours sein soll oder beispielsweise der Aussprung einer Reihe. Auf dem Weg zum Fernziel kann man sich mit Zwischenetappen motivieren, und so auch immer wieder eine Überprüfung des Fortschritts durchführen.


Höher, schneller, weiter - in kurzer Zeit von null auf hundert. Um Frustration zu vermeiden, muss man sein Pferd und sich, wie oben bereits beschrieben, ganz realistisch beurteilen. Folgende Fragen können dabei helfen, die Ziele ganz realistisch zu formulieren:

  • Können mein Pferd und ich das alleine erreichen oder brauchen wir Unterstützung?

  • Wenn ich Unterstützung brauche, wie oft kann ich diese Erhalten und was bedeutet das für mein gesetztes Zeitziel?

  • Wie oft kann ich gezielt trainieren, vor allem in Bezug auf die wichtigen Ruhephasen?

  • Wie ist der Trainingsstand meines Pferdes?

  • Wie ist mein Trainingsstand?

  • Muss ich neben dem Training mit meinem Pferd noch mehr Zeit einplanen, um mein Ziel in die Tat umzusetzen (beispielsweise eigenes Fitness-Level steigern, Weiterbildung auf dem Gebiet, ...)?

  • Kann mein Pferd das Geforderte überhaupt erreichen?

  • Kann ich das Geforderte wirklich erreichen und leisten?

Je realistischer Du die Ausgangssituation einschätzt, desto einfacher wird das Aufstellen und Einhalten des Trainingsplans.


Mein persönlicher Trainingsplan für meine Pferde


Meine Pferde sind alle in ganz unterschiedlichen Lebensphasen, sogar meine beiden fünfjährigen Stuten könnte in ihrer Entwicklung nicht unterschiedlicher sein - was ich im Übrigen besonders spannend finde, da die beiden die exakt gleiche Aufzucht genossen haben und parallel den gleichen Weg gegangen sind, dennoch sind sie mental und körperlich so gegensätzlich wie Tag und Nacht.


Aufgrund der ganzen Unterschiede meiner Pferde habe ich nicht den einen, klaren Trainingsplan. Wie eben schon beschrieben geht das auch gar nicht. Was ich jedoch bei allen Pferden ganz groß schreibe sind die Ruhephasen. Ich glaube nicht daran, dass Pferde von morgens bis abends trainiert werden müssen, um sich zu verbessern. Muskeln wachsen in der Ruhephase, ebenso muss das Gelernte auch mental verarbeitet werden. Vor allem meine Jungstuten bekommen immer wieder frei, denn gerade in den Wachstumsphasen hatten und haben sie so viel mit ihrem Körper zu tun, dass ich dann nicht auch noch von ihnen etwas verlangen möchte. Klar, man könnte jetzt sagen, dass sie da durch müssen - aber mal ganz ehrlich: müssen sie das wirklich? Müssen meine Pferde, wenn sie gerade ganz andere Sorgen haben, auch noch mein Gewicht auf ihrem Rücken tragen? Wenn sie gerade alles andere als ausbalanciert sind, muss ich da wirklich mein Ding durchziehen, weil es so viele Reiter:innen gibt, da das halt so machen? Ich denke, dass dieser Punkt ebenso individuell entschieden wird, wie alles andere in der Pferdeausbildung auch. Ich persönlich stehe auf dem Standpunkt, dass die Pferde vielleicht nichts neues lernen, wenn sie mal ein, zwei oder drei Wochen am Stück keinen Reiter auf dem Rücken haben, jedoch nicht unbedingt schlechter werden, wenn die Arbeit vor der Pause fruchtbar war.


Neben der Wichtigkeit von Pausen habe ich eine andere Sache gelernt: Pläne sind eine wunderbare Sache, doch manchmal kommt es anders, als man es sich wünscht, erwartet hat oder denkt. An manchen Tagen ist vielleicht auch mal der Wurm drin und nichts will so richtig gelingen. An solchen Tagen sollte man von seinem Plan einfach abweichen. Es ist dann nur ein Tag, der in Relation zum "Großen, Ganzen" keinerlei Bedeutung hat und nicht die Arbeit bis dahin komplett zunichte gemacht hat. Natürlich kann so ein Tag die Stimmung trügen, doch es wird ein besserer Tag folgen. Und wenn der Folgetag nicht besser ist, dann vielleicht der darauf. Es ist auch hier einfach nur wichtig, ehrlich zu sich selbst zu sein. Denn wenn man sich in Bezug auf den Trainingsplan über- oder unterschätzt hat, kann das schnell frustrierend werden, weil man einem Ideal hinterher jagt, welches man gar nicht erreichen kann. Dann wird es Zeit, den Weg oder das Ziel zu überarbeiten, so bleibt die Motivation und der Spaß auf beiden Seiten erhalten.


Wenn ich mich nun jedoch festlegen müsste, was ich mit meinen Reitpferden in einer Woche so veranstalte, dann würde die perfekte Woche für mich so aussehen, in beliebiger Reihenfolge:

  • zwei Tage frei, an den Tagen wird dann spazieren gegangen, Wellness gemacht, ...

  • einen Tag ins Gelände oder auf die Galoppstrecke

  • einen Tag auf den Springplatz, springen oder leichte Stangen- und Cavalettiarbeit

  • zwei Tage dressurmäßige Arbeit

  • einen Tag lockeres gymnastizieren, viel vorwärts abwärts, lockeres "joggen"

Zusätzlich geht es natürlich auf die Wiese, oftmals auch noch für bis zu eine Stunde in die Maschine oder zusätzlich zum Reiten wird noch spazieren gegangen. Da bin ich recht spontan und flexibel und versuche, die Pferd und mich so viel es geht in Bewegung zu kriegen.


Auf Youtube habe ich euch eine Woche lang mit jedem Pferd mitgenommen: