CSI Hof Waterkant - Wenn nicht jetzt, wann dann?

Auf dem Hof Waterkant, der Heimat von Mannschaftswelt- und Europameisterin Janne Friederike Meyer-Zimmermann und ihrem Ehemann Christoph Zimmermann, laufen aktuell die Vorbereitungen für das CSI3*-Turnier.

Im Norden ist sie zu Hause, den Turnieren dieser Region hat sie viel zu verdanken, denn hier ist sie groß geworden. Nun möchte Janne Friederike Meyer-Zimmermann gemeinsam mit ihrem Mann Christoph Zimmermann dem Sport etwas zurückgeben. Die Idee, ein Turnier zu veranstalten, hatte Christoph schon lange, doch die kurzfristige Umsetzung des Plans war in der Form nicht geplant. Vielmehr ist sie aus der Not heraus entstanden, nachdem auch 2021 immer mehr Turniere abgesagt oder verschoben worden waren. Gerade nach dem bereits harten Jahr 2020 waren die beiden sich einig: Da müssen wir etwas machen!


Gerade im Norden sind über die Jahre immer mehr Turniere weggebrochen. Hannover, Kiel, Bremen - die gibt es alle nicht mehr. Nur noch das Hamburger Derby und die VR Classics in Neumünster halten erfolgreich die Fahne hoch: „Wir haben gesagt, es ist ja immer leicht zu meckern, aber schwer, etwas zu tun. Und wir versuchen es jetzt einfach mal. Das war dann der Startschuss“, erzählt Janne, und Christoph ergänzt: „Während ich an Corona erkrankt war, hatte ich viel Zeit um nachzudenken. Früher waren Holstein, Hamburg und Hannover das Mutterland des Springsports, alle guten Pferde kamen da her, viele gute Reiter, Janne erzählt immer von früher, wenn sie nach Tasdorf oder nach Breitenburg gefahren ist, da waren die besten Reiter Deutschlands mit ihr dabei. Das hat sich nun komplett verschoben, wir haben unheimlich viele Marktanteile verloren und die Zucht in den Niederlanden und Belgien wurde viel besser. Die haben angefangen, mit Opglabbeek, Peelbergen, Lier, Lanaken und Valkenswaard, wo mittlerweile ständig Turniere stattfinden. Das heißt wir haben viele Kunden, Schüler und auch Reiter im Prinzip an den Großraum Belgien/Niederlande verloren. Und ich sage schon lange zu Janne, dass wir da etwas unternehmen müssen!“


Und genau das tun sie gerade, denn mit ihrem CSI3* setzen die beiden ein klares Zeichen, dass die Zucht aus Hannover, Hamburg und Schleswig-Holstein immer noch stark ist, hier schöne und wichtige Turniere stattfinden können und damit auch vor allem für die Züchter und professionellen Reitern und Händlern wieder Publikum in die Region zu holen. Dadurch entwickeln sich neue Absatzmärkte und die Verbindung zu diesem Zuchtgebiet wird wieder gestärkt. „Wir selbst kommen gut zurecht“ berichtet Christoph und führt weiter aus: „Wir sind sehr stark, wir haben gute Kunden, die besten Reiter der Welt sind unsere Kunden. Aber ich finde insgesamt können wir alle nur davon profitieren, wenn der Gesamtbereich wieder gestärkt wird. Vielleicht gibt es dann auch Nachahmer!“


Das, was die beiden dort auf die Beine stellen, muss allerdings erst einmal Nachahmer finden, denn sie starten nicht mit einem kleineren internationalen Turnier, sondern geben ihr Turnierdebüt auf dem Hof Waterkant mit einem ordentlichen Knall. Die Zuschauer und Reiter erwartet ein vielfältiges Programm: eine international hochdotierte Youngster-Tour, eine U25 Tour, nationale und internationale Springprüfungen und eine Fohlenauktion füllen die vier Turniertage auf der norddeutschen Anlage. Ein weiteres Highlight des Turniers ist sicherlich auch, dass Frank Rothenberger für den Parcoursbau verantwortlich ist, der für seine spannenden Parcours unter anderem beim CHIO in Aachen bekannt ist. Der Höhepunkt ist sicherlich der Große Preis von Holstein am Sonntag, denn mit dieser Prüfung bietet sich den Reiterinnen und Reitern die Chance, noch ein Ticket für die Europameisterschaften 2021 in Riesenbek oder die Weltmeisterschaft 2022 in Herning zu lösen, denn der Große Preis von Holstein wird als Qualifikationsspringen gewertet. „Was uns oder auch mich beschäftigt ist, dass man zum Turnier fährt und gut ist, gute Pferde hat, aber man hat wenig Chancen, Geld zurück zu gewinnen, also die ganzen Kosten von Nenngeldern über Anreise und Unterkunft. Das ist häufig vor allem im zwei Sterne CSI-Bereich so, die wir natürlich brauchen, weil wir oftmals gar keine anderen Turniere haben. Deswegen wollten wir immer so viel anbieten, dass auch jeder Reiter die Chance hat, etwas zurück zu gewinnen. Vor allem auch in der Youngster- oder U25 Tour! Dazu muss man meist schon im drei Sterne Bereich unterwegs sein“ erzählt Christoph und Janne ergänzt: „Das drei Sterne CSI haben wir unter anderem auch deswegen ins Auge gefasst, weil wir eine Qualifikation für die Weltmeisterschaft und die Europameisterschaft bei uns haben wollten, dafür musst du mindestens drei Sterne anbieten!“


Auf zwei Sterne Niveau hat man gar nicht die Möglichkeit, die Mindestqualifikation für die Olympischen Spiele, Europa- oder Weltmeisterschaften zu sichern, dafür braucht es eben mindestens das drei Sterne Niveau. Diese Turniere gibt es jedoch aktuell relativ wenig, sodass es für die beiden passionierten Pferdemenschen unheimlich wichtig war, dieses Turnier auf drei Sterne Niveau aufzustellen. Sie wollen den internationalen Sport mit den jungen Pferden verbinden, um diesen auch eine Plattform zu bieten. Janne denkt dabei auch an ihre eigene Zeit zurück: „Ich kenne das auch aus meiner Zeit, man ist so dankbar als junge Reiterin, vor einer großen Kulisse auf einem großen Turnier zu reiten. Ich habe die Chance zwei, dreimal gehabt und diese Chance wollen wir jetzt auch anderen jungen Reitern geben, deswegen haben wir auch die U25 Tour. Das ist für uns eine Herzensangelegenheit. Zusätzlich haben wir noch die Amateur-Tour dabei, damit auch unsere Kunden und Schüler eine Startmöglichkeit haben. Gerade die sind ja auch lange sehr gebeutelt gewesen und konnten gar nicht zum Turnier fahren. Da haben wir zwar kein riesiges Starterfeld, aber das ist uns einfach wichtig gewesen.“


Janne und Christoph wollen dem Sport etwas zurückgeben, denn durch diverse private Touren im Springsport hat die Top 25 der Weltrangliste die Möglichkeit, viel zu starten, jedoch gibt es eben auch viel „bezahlten Sport“, der beispielsweise Reitern, die unter den besten 50 bis 100 Reitern der Weltrangliste sind, den Start an einem Turnier verwehrt, wohingegen finanziell sehr starke Teilnehmer starten können. „Es gibt eine Diskrepanz für die anderen guten Reiter, die von der Nummer 30 der Welt fast keine guten Turniere mehr haben, an denen sie starten können. Das ist auch ein Anliegen, worüber wir auch viel mit Kollegen sprechen, wie wir das ändern können.“ erzählt Christoph. Doch dieses Turnier soll nicht nur aus sportlicher Sicht ein Blick in die Zukunft sein, auch das Drumherum soll stimmen. Neben überragenden Turnierbedingungen für die Reiter und Reiterinnen gibt es noch ein ganz anderes Thema, welches beiden sehr am Herzen liegt: „Die Atmosphäre, eigentlich macht genau das unseren Sport aus! Dass man mitfiebert, dass man Menschen begeistert - und das nicht nur, weil man gerade Null war oder eben nicht Null war, sondern einfach Menschen, die sich für die Pferde begeistern, Pferde erleben wollen, nah am Sport sein wollen. Das finde ich zum Beispiel immer in Hamburg ganz toll, dass man auch so nah an den Abreiteplatz kommt. Das kann man bei uns tatsächlich auch. Es ist für alle sichtbar und nachvollziehbar, wie die Pferde aufgewärmt werden, da ist nichts abgesperrt. Das ist uns wichtig, wir wollen transparent sein, damit alle von Anfang bis zum Ende da mitfiebern können“ sagt Janne und führt weiter aus „Ich glaube, wir müssen auch die Zuschauer wieder abholen und ans Pferd ran lassen, aber auch für uns Reiter. Wenn ich da für mich selber spreche, ich finde es schrecklich, vor leeren Rängen zu reiten, denn es ist ein ganz anderes Gefühl vor Leuten zu reiten, die mitfiebern, Züchter, Pferdebesitzer und junge Mädchen, die einem die Daumen drücken und vielleicht sogar noch fragen, ob sie das Pferd mal streicheln dürfen - das ist doch das, was unseren Sport eben so besonders macht!“


Janne selbst ist auch so zum Sport gekommen, denn sie stammt aus keiner eingefleischten Reiterfamilie. Ihr Vater hat mit über 30 Jahren das Reiten angefangen und als er ihre Mutter kennengelernt hat, hat diese auch mit dem Reitsport angefangen. Die ersten Sprünge hat Janne übrigens mit ihrem Papa gemeinsam gemacht, denn er hat sie einfach vor sich auf den Sattel gesetzt und ist mit ihr über Hindernisse geflogen. So ist dann die Begeisterung für Pferde in der Familie gewachsen, irgendwann fingen sie dann auch mit der Pferdezucht an. Das Ziel war jedoch nicht von vorne herein, Spitzensportler zu züchten, der Ursprungsgedanke hinter der Zucht war der Begeisterung für das Wesen der Pferde geschuldet. Erst, als Janne mit dem Springsport anfangen wollte, verlagerte sich der Fokus, so dass aus der Passion irgendwann ein Beruf geworden ist. Dadurch kennt Janne den Weg in den Spitzensport auf eine ganz besondere Art und ist damit ein Vorbild für viele junge Reiter und Reiterinnen. „Wir möchten den Zugang zum Pferd schmackhaft machen und eben auch die Freude zeigen, die man mit Pferden erleben kann.“


Ein solches Turnier auf die Beine zu stellen bedarf einer großen Vorbereitung, gerade, wenn man international veranstaltet, hat man viele Regularien. So muss beispielsweise der Stallbereich komplett abgesperrt sein. Trotzdem wollen Janne und Christoph das persönliche wahren, die Leute zu sich nach Hause einladen und Gastgeber sein: „Wir sind kein Agentur-Turnier. Man ist bei uns zu Hause zu Gast und das leben wir auch so. Wir versuchen, unsere Anlage so zu gestalten, dass sie dazu dient ein internationales großes Turnier zu machen. Dabei haben wir viel Unterstützung! Was bei uns ein wenig anders ist, das ist vielleicht die Stärke oder auch die Schwäche, wir entscheiden jedes Detail selber. Es gibt tausend kleine Detailentscheidungen, wie beispielsweise wo der Blumentopf stehen soll oder ob der Zaun braun oder weiß ist, wie die Zelte aussehen sollen“ erklärt Janne und Christoph fügt hinzu „Wir entscheiden sogar, wie die Teller aussehen.“ Jedes noch so kleine Detail wird mit Liebe persönlich entschieden, das kostet natürlich auch Zeit und Nerven „Vor allem von den Menschen, die uns auch helfen, die manchmal nur noch den Kopf schütteln“ sagt Janne und lacht. Doch das ist es vermutlich, was es am Ende ausmachen wird, denn es ist ein Turnier, wo man auf der mit Liebe eingerichteten Anlage zu Gast sein wird, sozusagen im Wohnzimmer von zwei bedeutenden Persönlichkeiten des Pferdesports unterwegs ist und überall die persönliche Handschrift der beiden zu finden ist.


Neben den beiden, die aktuell neben ihrem Tagesgeschäft mit der Turnierplanung mehr oder minder einen zweiten Vollzeitjob angenommen haben, werden sie tatkräftig unterstützt und haben ihr Team aufgestockt. Auch auf der Sponsoren-Seite gab es viele tolle Überraschungen: „Wir haben unfassbar tolle Partner und Sponsoren gefunden, das konnten wir uns fast nicht vorstellen! Wir haben die Mercedes Benz Niederlassung Hamburg für den großen Preis gewinnen, die Itzehoer Versicherungen für das Championat von Holstein am Freitag und Theurers Trucks für das Masters am Samstag gewinnen können. Außerdem sponsert die DVAG ein Chinchero-Fohlen als Ehrenpreis für den erfolgreichsten Reiter der großen Tour. Sogar Reiterkollegen haben uns finanziell unterstützt, ohne, dass wir nachgefragt haben, einfach, weil sie toll finden, was wir da gerade machen. Das freut uns unheimlich doll und hat uns positiv überrascht!“


Natürlich wird Janne auch selbst an den Prüfungen teilnehmen, denn der Reitsport ist ihr Kerngeschäft und soll auch in Zukunft weiter ausgebaut werden. Gerade die letzten Jahre haben die beiden viel Zeit, Kraft und auch finanzielle Mittel in den Kauf und Ausbau von Hof Waterkant investiert: „Mein Traum ist es langfristig, zwei, drei Pferde mehr für den Großen Sport halten zu können, die wir eben nicht verkaufen, sondern die wir mit Hilfe von mehreren Pferdebesitzern behalten.“ Beim CSI Hof Waterkant wird sie sowohl in der Youngster Tour, als auch in der großen Tour an den Start gehen.

Ein CSI*** in so kurzer Zeit aufzuziehen erfordert viel Kraft, Mut und einen starken Willen - wenn es zwei schaffen können, dann die beiden. Mit einem starken Team im Rücken, einer Anlage, die keine Wünsche offen legt und dem Gespür dafür, gute Gastgeber zu sein, hat das Turnier auf dem Hof Waterkant die besten Voraussetzungen, um eine tolle Veranstaltung zu werden. Und mit ein wenig Glück hat der Norden auch in Zukunft ein neues Turnier, auf welches sich Reiter und Zuschauer gleichermaßen jährlich freuen können.

Janne Meyer Zimmermann Quim Springreiterin
Janne Friederike Meyer-Zimmermann und Christoph Zimmermann veranstalten in diesem Jahr erstmalig ein CSI auf dem Hof Waterkant. - Foto: Aenne Konken