CHIO Aachen 2021 - Tag 6: Wie immer hoch emotional

Ein kleiner Spoiler für alle, die mich nicht so gut kennen: ich bin ein sehr emotionaler Mensch, liebe den Reitsport und arbeite seit Jahren mit dem CHIO Aachen zusammen. 2014 war mein erstes Jahr auf dem Gelände der Aachener Soers und seither habe ich, mal mehr, mal weniger intensiv, jedes Jahr den CHIO Aachen genießen dürfen. Überspitzt formuliert kann man sagen, dass ich Aachen wie meine Westentasche kenne und dort hin zu kommen ist jedes Jahr ein wenig wie "nach Hause zu kommen". Dementsprechend wehmütig bin ich, wenn am letzten Tag, wenn der Rolex Grand Slam of Show Jumping entschieden ist und der letzte Programmpunkt "Abschied der Nationen" auf der Tagesordnung steht.


Der Rolex Grand Slam of Show Jumping


Mein zweites Highlight während des CHIOs in Aachen ist der Rolex Grand Slam, der traditionell die letzte Prüfung am Sonntag ist. Zunächst müssen die Reiter:innen den ersten Umlauf absolvieren:

Im ersten Umlauf haben die Reiter:innen die Möglichkeit, sich für den zweiten Umlauf zu qualifizieren. Gibt es mehrere Null-Fehler-Ritte, starten diese Reiter:innen noch einmal in einem Stechen gegeneinander. Gibt es beispielsweise nur einen Null-Fehler-Ritt oder nur einen Ein-Fehler-Ritt, so ist dieser automatisch Sieger des Grand Slams und das Stechen findet nicht statt.

Für das Stechen hatten sich dann Daniel Deusser, Jerome Guery, Ben Maher, Brian Moggre, Gregory Wathelet, Laura Kraut und Scott Brash qualifiziert. Mein Favorit Steve Guerdat hat es leider nicht ins Stechen geschafft, dafür meine "Neuentdeckung" in Aachen, Brian Moggre. Gesetzt hatte ich tatsächlich auf Ben Maher und Explosion, am Ende machte jedoch Daniel Deusser das Rennen und lieferte die einzige fehlerfreie Runde im Stechen ab. Was für ein emotionales Finale, nicht nur für den Grand Slam, sondern für den gesamten CHIO.


Besonders schön war, dass - den ganzen Corona-Maßnahmen zum Trotz - die Stimmung vor allem am Finaltag unheimlich gut war. Es war leise und laut, das Publikum hat mitgefiebert, die Reiter:innen und Pferde haben abgeliefert - alles in einem ein wahnsinnig schöner Abschluss. Mein persönliches kleines Highlight des Grand Slams: Killer Queen hat in der Siegerehrung den Pokal vom Sockel geschubst. Glücklicherweise ist nichts kaputt gegangen, aber es war ein herrlich normaler Fauxpas, der eben jedem von uns hätte passieren können.


Abschied der Nationen


Traditionell werden am Sonntag die Nationen verabschiedet: Alle Zuschauer, teilweise auch die Reiter:innen, winken mit Taschentüchern zum Abschied. Während sich danach die meisten Menschen auf den Weg nach Hause machen, herrscht im Pressezentrum noch emsiges Treiben! Die letzten Artikel, Fotos und sonstiges Material werden noch fertiggestellt, bevor es für die Journalisten und Fotografen in den wohlverdienten Feierabend geht.


Mein persönlicher Abschluss in Aachen ist allerdings meist etwas, was ich ganz in Ruhe genieße: Ich gehe ein letztes Mal zum Hotel Shuttle, der hinten an den Stallungen ist. Dort packen die Pfleger gerade die letzten Sachen ein, Pferde werden verladen, die LKW fahren los. Es ist Abend, man sieht noch das Flutlicht im Hauptstadion, hört noch Musik, Stimmengewirr. Während die LKW vom Gelände fahren, hupen sie und werden, wie es sich für den CHIO Aachen gehört, von den Ordnern mit schwingenden Taschentüchern verabschiedet. Spätestens dann rollt mir dann auch ein Tränchen die Wange runter. Denn dann wird es mir wieder bewusst: Eine weitere Woche CHIO Aachen ist abgehakt, das Turnier ist vorbei und ich muss wieder ein Jahr warten, bis ich erneut in diesem Rahmen in der Soers sein werde. Die Anspannung fällt ab, denn bei all der Freude, die ich während meines Aufenthalts spüre, so ist es eben für mich Arbeit. Vermutlich die schönste Arbeit der Welt, aber eben auch Arbeit. Ich stehe die Woche unter Strom, bin ständig unterwegs, führe Interviews, gehe zu Pressekonferenzen, sehe die wenigsten Prüfungen wirklich, weil ich ständig hinter den Kulissen unterwegs bin. Es macht Spaß, ich würde dieses "Büro" für nichts auf der Welt eintauschen. Trotzdem fällt am Ende eben die restliche Anspannung ab, man weiß, dass man es geschafft hat, einen guten Job gemacht hat und nun alle nach Hause fahren. Es ist ein Freudentränchen. Aber eben auch ein Wehmutstränchen. Denn Aachen ist eben Aachen.

Das wohl schönste Büro der Welt: Die Turkish Airlines Tribüne im Hauptstadion des CHIO Aachens / Foto: Franziska Sack