Wie wird man Pferdewirt und Berufsreiter?


Katharina Schloh lebt den Traum von vielen Reiterinnen und Reitern: die 28 Jährige ist Pferdewirtin mit dem Schwerpunkt Haltung & Service und hat gleichermaßen den Abschluss zur Bereiterin, sprich Pferdewirtin Schwerpunkt Klassische Reitausbildung. Mit ihren beiden aktuellen Turnierpferden Rivaldo und Veilchen Violetta ist sie aktuell in der Dressur bis zur Klasse M und im Springen bis zur Klasse L erfolgreich unterwegs. Ihr beruflicher Alltag findet vor allem im Reitstall statt, doch das war nicht von Anfang an so.

Seit wann reitest du?

Das erste Mal auf dem Pferd saß ich bereits mit circa einem Jahr, damals noch bei meinem Vater im Arm. Richtig angefangen habe ich dann mit drei Jahren auf meinem ersten Pony Benny – der ist mittlerweile 30 Jahre alt und genießt bei uns seine Rente. Mit sechs Jahren ritt ich mit ihm meinen ersten Reiterwettbewerb.

Dann stieg ich recht schnell auf Großpferde um und bekam eine tolle Stute, Arielle, zur Verfügung gestellt. Wir konnten dann die nächsten Jahre viele großartige Erfolge in der Dressur erreiten. Mit Fini bekam ich ein Springpferd dazu und hatte so das Glück von klein auf in beiden Sparten Erfahrung zu sammeln. Das habe ich bis heute beibehalten, denn ich denke, dass eine vielseitige Ausbildung sowohl für meine Pferde, als auch für mich als Reiter, sehr wichtig ist.

Warum hast du dich für die Ausbildung zur Bereiterin entschieden?

Der Weg zur Pferdewirtin war für mich doch länger als gedacht. Da meine Eltern einen eigenen Stall haben könnte man meinen dass es klar war - war es aber tatsächlich nicht.

Nach dem Abitur wollte ich unbedingt erstmal irgend etwas ohne Pferde machen und machte erstmal eine Ausbildung zur Medienkauffrau, danach arbeitete ich in einer großen Mediaagentur im Bereich TV Werbung. Geritten bin ich in dieser Zeit trotzdem immer, allerdings nur als Hobby. Mit der Zeit merkte ich, dass ich mit diesem Job nicht glücklich werden würde. Den ganzen Tag im Büro zu sitzen, jeden Tag das gleiche zu machen und nur wenig Zeit für das Reiten zu haben war nichts für mich. Ich kündigte und machte erstmal die Ausbildung als Pferdewirtin Haltung & Service und direkt im Anschluss den Bereiter.

Heute frage ich mich manchmal, warum ich das nicht gleich so gemacht habe, denn eigentlich war es ja tatsächlich doch klar. Ich bin dennoch dankbar für die Zeit in den Medien, denn dort habe ich unheimlich viel gesehen und gelernt, vieles kommt mir auch heute noch zugute.

Hand auf's Herz: ist der Alltag so rosig, wie viele ihn sich vorstellen? Wie sieht ein klassischer Tag in deinem Beruf aus?

Ja und Nein. Mein Tagesablauf ist jeden Tag etwas anders. Klassischer Weise beginnt er um 6:30 Uhr mit dem Füttern, Einstreuen, Fegen und dem Rausbringen der Pferde auf die Weide. Dann ist es meist ca. 9 Uhr. 30 Minuten Frühstückspause, dann geht es weiter mit dem, was gerade anliegt - Pferde arbeiten, Pferdepflege, Anlagenpflege, Weidepflege - die Liste ist lang! Zwischen 13 und 15 Uhr haben wir Mittagspause, nachmittags wird noch einmal gefüttert und die Pferde kommen wieder rein.

Ich beginne meist nach dem Frühstück mit den Berittpferden und reite anschließend unsere eigenen Pferde. Je nachdem, wie viele unserer Mitarbeiter anwesend sind, habe ich jemanden dabei, der die Pferde für mich fertig macht oder mache sie selbst fertig. Mein Vater hilft mir bei der Trainingsgestaltung und gibt mir Unterricht und Tipps, auch beim Anreiten der Jungpferde ist er mit dabei. Ich reite täglich um die 7 bis 10 Pferde und gebe dann in den Abendstunden noch Unterricht für unsere Einsteller und Auszubildenden. Machmal ist der Tag dann erst nach 21:00 Uhr zu ende, manchmal schon gegen 17:00 Uhr.

Ob man den Tagesablauf als rosig beschreiben möchte, hängt von jedem einzelnen ab. Für mich sind die schönen Momente die Kleinigkeiten, sei es ein schöner Sonnenaufgang oder ein Fortschritt mit den Pferden oder Reitern. Ich denke man kann an jedem Job irgendwas finden was nicht sooo toll ist.

Stichwort reiterliche Fitness: musst du Ausgleichssport machen, um dem Alltag auch körperlich gewachsen zu sein?

Ausgleichssport direkt mache ich momentan nur wenig. Da ich nicht nur reite, sondern auch Stallarbeit mache, ist diese sozusagen mein Ausgleichssport. Zusätzlich mache ich täglich Dehnübungen und einige gezielte Übungen für den Rücken, damit komme ich aktuell sehr gut zurecht.

Was muss man in deinen Augen mitbringen, um erfolgreich seine Lehre abzuschließen - und vor allem, um für diesen Beruf gemacht zu sein?

Mein Vater (selbst Pferdewirtschaftsmeister) sagt immer, man müsse ein bisschen verrückt sein in unserem Beruf – und er hat recht! Wir arbeiten viel und hart, auch an Feiertagen und Wochenenden, bei jedem Wetter, verdienen uns häufig keine goldene Nase, tun alles für die Tiere und ihre Menschen – und das auch gern.

Wichtig ist natürlich die Liebe zum Pferd. Zusätzlich sollte man Einsatzbereitschaft, Bereitschaft für Arbeit an Feiertagen und Wochenenden sowie für abweichende Arbeitszeiten, falls zum Beispiel ein Pferd krank wird, mitbringen. Körperliche Belastbarkeit, Kundenorientiertheit und ein gewisses reiterliches Niveau sowie theoretisches Wissen sind ebenso wichtig. Anders als in anderen Ausbildungsberufen sollte man für diese Ausbildung bereits einiges mitbringen, da es sonst im Bezug auf das Reiten schwer werden kann das Ausbildungsziel zu erreichen.

Für "Haltung & Service" sollte man etwa auf E/A Niveau in Dressur und Springen reiten, für den Bereich "Klassische Reitausbildung" eher A/L Niveau.

Wer Pferdewirt werden möchte sollte sich darüber im Klaren sein, dass es nicht das gleiche ist, beruflich mit Pferden zu arbeiten oder das Ganze als Hobby zu betreiben. Man hat nicht in jedem Betrieb stundenlang Zeit sich um ein Pferd zu kümmern, schließlich muss das Ganze am Ende ja auch noch wirtschaftlich sein.

Und welche Anforderungen stellst du im Gegenzug an einen Ausbildungsbetrieb, damit er seine Zöglinge ideal auf die bevorstehenden Aufgaben ausbildet? Was wird in der Prüfung verlangt?

Einen passenden Ausbildungsbetrieb zu finden ist in meinen Augen eine Herausforderung. Jeder Betrieb ist anders und es ist wichtig einen zu finden, mit dem man sich identifizieren kann. Ich kann jedem nur empfehlen ein Praktikum im Vorfeld der Ausbildung zumachen, so hat nicht nur der Betrieb die Gelegenheit, die Bewerber besser einzuschätzen, sondern auch angehende Azubis können ihre späteren Aufgaben und das Team kennenzulernen. Einige stellen dann bereits fest, dass das Leben als Pferdewirt leider nicht immer wie auf dem Ponyhof ist.

Wer "Haltung & Service" lernen möchte sollte sich informieren, ob er/sie regelmäßig zum Reiten kommt. Das fällt manchmal etwas hintenüber, wird in der Abschlussprüfung aber gefordert. Dort longiert man ein Pferd und arbeitet es anschließend dressurmäßig, dabei sollen ein paar kleine Sprünge eingebaut werden. Anschließend erklärt man in einem Gespräch mit den Prüfern, warum man mit dem Pferd so gearbeitet habt, was einem gut gelungen ist und was man verbessern wollen würde. Das Anführen eines Ausrittes kommt ebenfalls auf den Prüfling zu. Des Weiteren wird es in der Prüfung einen schriftlichen Teil geben und es werden fachbezogene Kundengespräche am Pferd geführt. Themen können unter anderem Fütterung, artgerechte Haltung, Pferdebeurteilung oder Gesundheitsvorsorge sein.

Für die "Bereiter" ist es interessant, was für Pferde im Stall stehen und welche davon man reiten darf.

In der Abschlussprüfung für den Bereiter wird auf L Niveau Springen und Dressur auf Kandare geprüft, auch hier soll man im Anschluss sein eigenes Reiten reflektieren. Das möchte entsprechend trainiert sein.

Viele Ställe legen ihren Schwerpunkt auf Dressur oder Springen, einige arbeiten auch mit den Nachbarställen zusammen und geben so die Möglichkeit, regelmäßig die jeweils andere Sparte zu trainieren. Auch hier gilt wieder: Findet den Betrieb, der zu euch passt!

Neben dem Reiten an sich wird in der Abschlussprüfung Unterrichtserteilung in Dressur und Springen gefordert. Vor der Unterrichtsstunde erklärt man den Prüfern, was man während der Reitstunde erarbeiten möchte, hinterher wird wieder reflektiert, ob das Ziel erreicht wurde.

Hinzu kommt auch hier ein schriftlicher Teil in dem quasi jedes Thema rund ums Pferd behandelt werden kann, sei es die Erstellung eines Trainingsplanes, eine Rationsgestaltung oder eines der vielen anderen Themen, die mit dem Reitsport und dem Alltag mit den Pferden zu tun hat.

Planst du, weiter zu machen und deinen Meister hinter her zu schieben?


Ja, weiter machen auf jeden Fall. Ich bin mit meinem Beruf sehr glücklich. Zwar gibt es Momente wo ich mir das warme Büro, die geregelten Arbeitszeiten und freien Wochenenden zurück wünsche – aber nur sehr selten. Die Arbeit mit den Pferden ist dann wieder die Belohnung für alles. Ab Herbst diesen Jahres werde ich zur Meisterschule gehen.